Gesellschaft/Politik,  Sachbuch

Bambule – Fürsorge für wen? von Ulrike Marie Meinhof

Im Laufe des Jahres 1969 entstand das Drehbuch zu dem Fernsehfilm BAMBULE, nach Texten und Recherchen von Ulrike Marie Meinhof. Die sich schon seit einiger Zeit mit dem Thema Heimerziehung beschäftigt. Sie hatte Aufzeichnungen von Gesprächen mit Mitarbeitern und den Mädchen, die im Heim lebten. Der Fernsehfilm sollte 1970 ausgestrahlt werden, war abgenommen und genehmigt, doch wurde die Veröffentlichung abgesagt, nachdem man Ulrike Meinhof verdächtigte an der Befreiung von Andreas Baader mitgewirkt zu haben. Eine Vorverurteilung im vorauseilenden Gehorsam.

Ulrike Meinhof hatte sich schon lange mit dem Thema Fürsorgeerziehung beschäftigt und die Disziplinierungsmethoden, sowie die mangelnden Bildungsmöglichkeiten angeprangert. Denn diese Maßnahmen trafen ja in der Regel proletarische Familien. So schreibt sie:

Die Disziplinierung der bürgerlichen Jugend erfolgt über die Ausbildung. Der proletarische Jugendliche wird geradezu durch Ausbildungsverweigerung bestraft und diszipliniert.

Neben ausbeuterischer Arbeit, etwa in der Wäscherei für 0,20 Pfennig die Stunde, wird alles reglementiert, Verstösse werden unter anderem mit Einzelunterbringung bestraft. Freundschaften werden unterbunden, indem willkürliche Verlegungen an andere Einrichtungen stattfinden. Der Unterricht gleicht eher einer Pseudoveranstaltung. Übergriffige Jugendarbeiter.

Der Wagenbach Verlag hat Bambule, also das Drehbuch, nun neu herausgegeben. Versehen mit dem Nachwort von Klaus Wagenbach 1971 und einem Nachtrag zu diesem von 1987. Der Regisseur des Fernsehfilmes, Eberhard Iltzenplitz hat einen Text über die Filmarbeit und die Zusammenarbeit mit Ulrike Meinhof beigesteuert.

Bambule – Fürsorge für wen, ist auch heute noch ein aktueller Text und sollte weite Verbreitung finden.

Bambule - Fürsorge für wen
Autorin: Ulrike Marie Meinhof
Nachwort: Klaus Wagenbach und Eberhard Itzenplitz
Verlag: Klaus Wagenbach GmbH
ISBN: 9783803124289
Preis: 13,00
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Mein Name ist Karin Braun, lebe in Kiel, arbeite als Autorin, Herausgeberin, Literatourbloggerin und Übersetzerin - also kurz: ich mach was mit Worten.