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Club der Verschwenderinnen von Lena Müller

Eine Hitzewelle in der Stadt. Besonders heiß wird es in der Wohnanlage aus Betonbauten, in der Eli mit ihren kleinen Sohn Esra lebt. Eli ist alleinerziehend und kommt kaum unter Leute. Wenn ihr Sohn in der KITA ist, übersetzt sie Liebesromane und wenn einmal Freund Jano da ist, flüchtet sie sich auf ein oder zwei Schorlen in Gundas Kneipe. Als es heiß wird, schließt Gunda das Lokal für den Kneipenbetrieb und lädt die Nachbarn ein, sich in der relativen Kühle des Gastraumes aufzuhalten und sogar die Nacht im Getränkelager zu verbringen. Letzteres nehmen nur Eli und Esra in Anspruch. Während sie dort ihre Zeit verbringen, erzählt Gunda von ihrem Leben in der DDR, von den Frauenkollektiven und dem Versuch, diese auch nach der Wende am Leben zu erhalten. Die Kneipe war so ein Projekt. Als Kultur- und Kunstort gedacht. Doch so nach und nach haben sich die Freundinnen zerstreut. Geblieben ist Gunda und ihr Traum von Gemeinschaft … und Claude, die es irgendwann aufs Land gezogen hat und dort in einer Laube lebt.
Der Club der Verschwenderinnen ist ein leises Buch, das sehr bildhaft, in kurzen Sequenzen, Schlaglichter auf Personen und Gespräche wirft. Zu Beginn erleben wir Elis Alltag und deren Einsamkeit, die nahezu körperlich spürbar ist. Von ihrer beginnenden Freundschaft mit Gunda, einer Frau, die der verlorenen Gemeinschaft ihrer jungen Jahre, in Zeiten des Umbruchs nachtrauert. Es ist ein schmales, wunderschön aufgemachtes Buch, in dem Lena Müller es schafft, eigentlich alles, was uns dieser Tage umtreibt – zunehmender Nationalismus, prekäre berufliche Situationen, die Bedrohung durch KI und Einsamkeit – unterzubringen, ohne auch nur an einer Stelle zu überfrachten.
Fazit: Absolute Leseempfehlung!
Club der Verschwenderinnen
Autorin: Lena Müller
Verlag: Edition Nautilus
ISBN: 978-3-96054-502-6
Preis: 22,00 € -
Die Hexen von Wild Hill von Kirsten Miller

Bessie ist die erste der Familie, die 1629 nach Wild Hill kommt und von Puritanern, die sie als Hexe verdammen aufgehängt wird. Danach ist der Ort verlassen und erst 4 Jahrhunderte später landet eine Nachfahrin Bessies, Sadie, in Wild Hill und macht sich den Ort zu eigen. Sadie ist in der Lage Geister zu sehen und sie weiß um ihre Aufgabe, denn ihre Ahnfrauen haben ihr erklärt, was die Älteste von ihr erwartet. Es geht darum den Männern, die in ihrer Gewinnsucht die Natur und den Planeten zerstören, zu strafen und ihnen ihre Macht zu entreißen. Sadie ist die Stammmutter für die mächtigen drei Hexen, die dieses bewerkstellugen sollen. So kommen Brigid, die erfolgreiche Schauspielerin, Regiseurin und Produzentin von Horrofilmen, ihre Schwester Phoebe, die Kräuterfrau und Heilerin und Sibyl, Phoebes Tochter nach Wild Hill und beginnen, von den Ahninnen, der Geisterfrau Bessie und der Ältesten geleitet, ihr Werk und räumen auf unter den Gierigen.

Der Stammbaum, der Duncan Frauen, abfotografiert aus dem Buch. Es ist Oktober, Herbstbeginn, Halloween steht vor der Tür und es ist Hexenzeit. Kurz vor Halloween fliegen sie in Scharen durch die Bücherwelt und viele von ihnen sind der Art stereotyp, dass man das Grausen kriegt, allerdings nicht aus den erhofften Gründen, sondern einfach weil es so flach und einfallslos ist.
So ist es immer eine Freude, wenn sich zwischen all dem Einheitsbrei,ein Buch findet, dass die üblichen Klischees einerseits bedient, sie aber trotzdem bricht. Genau das macht Kirsten Miller in Die Hexen von Wild Hill. Das Buch zu lesen, war mir ein Fest. Eine sehr heutige Geschichte und ein wundervoll schwarzer Humor.
Die Hexen von Wild Hill
Autorin: Kirsten Miller
Übersetzerin: Jasmin Humburg
Verlag: Eichborn
ISBN: 9783847902478
Preis: 18,00 € -
Der ostdeutsche Mann – Eine soziokulturelle Selbsterkundung von Ralph Gerstenberg

Nachrichten und Zeitungen, sowie jeder der sich berufen fühlt, bestätigt ja gerne das Klischee des ostdeutschen Mannes. Also das des rot-schwarz-goldene Mütze tragenden, Bierbauch vor sich herschiebenden AFD Wählers mit Vokuhila und sexueller Frustierung, weil im Osten ja Frauenknappheit herrscht. Ralph Gerstenberg, in Ostberlin geboren und aufgewachsen, hat sich nun der Frage angenommen, wie schief das Bild ist. Vor allen, treffen diese Klischees nur auf den ostdeutschen Mann zu. Rechts wählende Prolls gibt es doch auch im Westen … nur kommen die halt nicht so vor, in der Medienwelt: Doch wie ist er denn nun so, der ostdeutsche Mann? In wie fern, macht ihn seine ostdeutsche Sozialisierung zu dem wie er gesehen wird? Und kann man überhaupt, 37 nach Mauerfall, noch von DDR geprägten Aufwachsen sprechen?
Alles wichtige Fragen, denen Ralph Gerstenberg in seinem Essay kompetent und kritisch nachgeht. Eine Frage, die mir beim Lesen des Textes kam, die auch der Autor anspricht, kann dieses draufknüppeln auf Ostdeutsche, die gerne so dargestellt werden, als gäbe es diesen Rechtsruck nur bei ihnen und nicht weltweit, darin begründet liegen, dass Osten im westlichen Verständnis gerne als schlecht dargestellt wird. In meiner Kindheit und Jugend, wurden Geschenke von Verwandten aus der DDR gerne ein wenig herablassend belächelt und die dadrüben mit, die haben ja nichts geleistet, guck dir nur mal ihre Autos an, abgetan. Also, so in dem Ton. Nach der Wende dann, wurde es ja auch nicht besser. Unsere Brüder und Schwester, die wir ja immer so gerne umarmen und ins Paradies des Konsums führen wollten, wurden eher wie die arme Verwandschaft behandelt. Stichwort: Treuhand! Vielleicht liegt darin ein Grund. Eines ist mir klarer denn je geworden, seit ich Der ostdeutsche Mann gelesen habe: Klischees müssen hinterfragt und aufgelöst werden.
Der ostdeutsche Mann
Autor: Ralph Gerstenberg
Verlag: Carl Auer Verlag
ISBN: 978-3-8497-0659-3
Preis: 9,99 € -
Schmuggler von Arthur Omre
Arthur Omres Schmuggler wurde 1935 veröffentlicht und erzählt vom Alkoholschmuggel in Norwegen. In den 20 Jahren gab es eine Prohibiton wie in Amerika in Norwegen und der Schmuggel blühte. Omre beschreibt nicht nur eine Welt, von der gehört hat, sondern eine die er erlebt hat. In jungen Jahren fuhr er zur See, studierte später Architektur, gründete ein Baugeschäft, mit dem er pleite ging. Ein Haufen Schulden, eine schlechte wirtschaftliche Lage und drängende Gläubiger, brachten ihn dazu, selbst mit dem Alkoholschmuggel anzufangen und irgendwann landete er im Gefängnis. Von der Zeit des erfolgreichen Schmuggelns und seiner Knastzeit erzählt sein Roman.
Omre wurde oft mit Jack London verglichen und auch mir kam dieser Vergleich. Beide schreiben nicht über etwas, sondern nehmen die Lesenden mit, in eine andere Zeit und Welt. Bei beiden Autoren leuchtet die Abenteuerlust aus jeder Seite. Verfolgungsjadten mit der Polizei und dem Zoll, Auseinandersetzungen mit Zupfern (diebische Leute, die den Schmugglern ihre Ware abnehmen wollen) und unzuverlässige Mitverschwörer. Es ist ein riskantes Leben und es kann nicht immer gutgehen. Irgendwann geht es für unseren Protagonisten in den Knast. Den Alltags dort und die Nutzlosigkeit des Strafvollzugs, die darauf ausgelegt ist, die Gefangenen zu brechen, beschreibt Omre mit der gleichen Bildhaftigkeit, wie das Schmuggeln. Wieder frei, will er sich ehrlich machen, doch mit einer Vorstrafe und seinen bekannten Vergehen, ist das nicht einfach. Er versucht einiges, aber neben den geringen Verdienstmöglichkeiten treibt ihn, die Langeweile eines normalen Alltags, wieder zum Schmuggeln. Ein weiterer Gefängnisaufenthalt folgt und hier bittet unser Held um ein Schreibheft, womit der Karrierewechsel markiert ist.
Schmuggler ist ein weiterer Klassiker der norwegischen Literatur, der von Gabriele Haefs gehoben und frisch übersetzt wurde und endlich auch in deutscher Sprache vorliegt. Beinahe hätte es schon einmal eine Übersetzung gegeben, denn Schmuggler war nach seinem Erscheinen 1935 ein sofortiger Erfolg und wurde in so einige Länder verkauft. Doch in Deutschland erschien es nicht. Joseph Goebbels persönlich schrieb dem Autor, dass diese Art von Büchern im Lande nicht erwünscht seien! Schon das, ein Qualitätsmerkmal. Doch bei weitem nicht das einzige, die Sprache ist einfach, aber so bildlich, das ich mir eine Verfilmung gut vorstellen konnte. Die Geschichte hat Tempo, wo Tempo hingehört und der Ich-Erzähler ist angenehm selbstironisch.
Schmuggler
Autor: Arthur Omre
Übersetzerin und Nachwort: Gabriele Haefs
Verlag: Krause Verlag
ISBN: 978-3-907409-24-4
Preis: 26,00 €
Erscheint am 01.10.2026 -
Die spannendsten Geschichten aus Norwegen – Herausg. Gabriele Haefs und Dörte Giebel

Spannung, leichter und auch nicht so leichter Grusel, das passt exakt in diese Jahreszeit. Dazu kommt noch das Norwegen, obwohl gar nicht so weit weg, etwas geheimnisvolles hat. Die Fjorde, die Wälder, Trolle, Spukerscheinungen und wunderbare Erzähler. Gabriele Haefs und Dörte Giebel haben da eine feine Sammlung erstellt. Das Schöne ist, dass sie sich nicht auf die üblichen Nordic Noir Autor:innen beschränken, sondern auch Stimmen aus der Vergangenheit zu Wort kommen lassen. Wer hat zum Beispiel schon mal von einem Autor mit dem schönen Namen Rosenkrantz Johnsen gehört? Er ist mit der Geschichte Hirngespinste vertreten, die sich mit dem Wunsch zu töten in einem eher unauffälligen Manne beschäftigt. Maurits Christoffer Hansen hingegen ist mit dem wahrscheinlichen ältetesten Kriminalroman Norwegens, bereits in Deutschland aufgetaucht. Der Mord an Maschinenbauer Roolfsen (übersetzt von Gabriele Haefs und Evelyn Dahlsrud) erschien im Rote Katze Verlag, in den spannendsten Geschichten ist er mit Die wunderliche Jungfer Sars vertreten. Hier wird gezeigt, dass jede Begegebenheit, sich auch ganz anders zugetragen haben kann.
Aus der jüngeren Generation sind einige auch in Deutschland bekannte Namen, aber auch solche, die es dringend werden sollten, dabei. Levi Henriksen ist kein Unbekannter und seine Geschichten, die fast ausschließlich in seiner Heimat Finnskogen spielen, sind immer originell. Monika Steinholm widerum ist hierzulanden kaum bekannt und das ist etwas, was sich schnellstens ändern sollte. Ich habe erst zwei Texte von ihr gelesen, einer davon, Das Elternhaus, befindet sich in dieser Sammlung und geht enorm unter die Haut.
Ach, am liebsten würde man zu jeder Geschichte etwas schreiben. Normalerweise findet man in einer Anthologie immer Beiträge, die einem nicht so wirklich gefallen. Das ist hier nicht der Fall. Sie gefallen mit alle, so sehr, dass ich sicher immer mal wieder in dem Buch schmöckern werde.Die spannendsten Geschichten aus Norwegen
Herausg: Gabriele Haefs & Dörte Giebel
Übersetzer:innen: Gabriele Haefs, Dörte Giebel, Karla Kabot, Kerstin Reimers, Claudia Palser-Kieser, Andreas Brunstermann, Evelyn Dahlrud, Sophia Wulfert und Christel Hildebrandt
Verlag: Reclam
ISBN: 9783150208366
Preis: 12,00 € -
Yesteryear von Caro Claire Burke

Schaut man in Natalies Instagram-Stream tut man es entweder mit nostalgisch verklärten Blick oder mit leisen Grauen, das schnell zur Wut wird. Ein altes Farmhaus in idyllischer Umgebung, schöne Fotos von den dekorativen Kinder, dem ebenfalls dekorativen Mann, der wunderschön eingerichteten Küche, die Hühner und allem was ein Landleben so ausmacht. Mittendrin Natalie, immer ein Lächeln und ein Dankgebet auf dem Lippen, für das Geschenk ihrer Familie, der Farm und die rustikale Art zu leben. Der Begriff Tradwife, der immer mal in den Kommentaren auftaucht, stößt ihr arg sauer auf. Denn was spricht dagegen eine traditionelle Frau zu sein? Eine die fröhlich die Arbeiten des Tages erledigt, dabei eine muntere Schar Kinder in die Welt setzt, die zu Hause unterrichtet werden, mal ganz zu schweigen vom perfekten Sauerteigansatz, denn natürlich backt sie auch ihr Brot selbst. So scheint es bei Instagram, doch hinter den Kulissen wird die Farm nicht von Caleb, sondern Hilfsarbeitern mehr schlecht als recht betrieben, die Kinder werden von zwei Nannys betreut und die gute Natalie ist bei weitem nicht so nett, wie es durch die Instagramfilter scheint. Doch um weiter die Mär vom rustikalen Leben (Waschmaschine, Microwelle und allerlei andere kleine Helfer sind versteckt hinter der Holzverkleidung) aufrecht zu erhalten, sollen ihre Videos professioneller werden und sie stellt eine Produzentin ein. Ein Schritt in die falsche Richtung …Caro Claire Burke greift in Yesteryear eine wichtige Entwicklung auf, das Thema Tradwife oder die zunehmende Tendenz, besonders in den USA, Frauen zurück an den Herd und die Kinderstube zu verbannen. Yesteryear wird ausschließlich aus Natalies Perspektive erzählt, was, da die eigentlich nur um sich selbst kreist, alle um sie herum sehr eindimensional erscheinen lässt. Doch auch wenn man versucht, das außer Acht zu lassen, so wird einem keiner der Charaktere so richtig sympathisch.
Die erste Hälfte des Buches, habe ich in einem Rutsch durchgelesen und war sehr angetan von der Ironie und der Skrupellosigkeit, mit der die Autorin ihre Protagonistin ausgestattet hat. Mit der zweiten Hälfte ging es sehr viel zäher voran, da die Geschichte immer unglaubwürdiger wurde. Das gilt besonders für die Auflösung von Natalies Erwachen in einer sehr viel rustikaleren Zeit. Auch wurde der Lesefluss immer mal wieder von dem Gedanken: ‚So blöd können nicht mal die sein!‘ gestört.
Yesteryear Autorin: Caro Claire Burke Übersetzt von: Dietland Falk und Lisa Kögeböhn Verlag: Heyne ISBN: 978-3-453-27535-5 Preis: 24,00 €
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Der gute Mensch von Sandvika von Vigdis Hjorth

Eine Kneipe in Sandvika, einem kleinen Vorort von Oslo, in der Nähe des Bahnhofs, hier kommen sie zusammen, ohne jemals wirklich zusammen zu sein. Der depressive Trinker, das Ehepaar, das gemeinsam trinkt, aber nicht miteinander spricht, der mit dem Schnurrbart, der jeden Tag seine Lebensgeschichte umschreibt, die Frau, die jeden Samstag mit ihren Lottoscheinen dort sitzt, die Ziehung verfolgt und ihre vier Bier trinkt … und die Schriftstellerin, mit dem Boxer, der unter dem Tisch schläft. Letztere geht in diese Kneipe, um zu schreiben oder wenn sie auf der Durchreise ist. Sie schreibt nicht einmal über die Leute dort, genau genommen interessieren sie sie nicht einmal besonders … außer die Frau mit den Lottoscheinen. Doch sie macht ihre Beobachtungen. So ist die Kneipe an manchen Tagen leer, das sind die Tage, an denen die Sozialhilfe noch nicht ausgezahlt wurde. Sie beobachtet auch, dass die Frau mit den Lottoscheinen, ein besonderes Talent hat, besonders aufgeregte und depressive Menschen zu beruhigen, dass sie sich auf ihre stille Art kümmert. Sie erfährt, dass sie Ada heißt und Hunde mag, ansonsten aber sind da nur die Lottoscheine, die sie immer nach der Ziehung resigniert zusammen räumt, bis sie es eines Tages nicht tut … denn Ada hat gewonnen. Ein Glücksfall könnte man meinen, doch wie heißt es? Es ist nicht alles Gold was glänzt.
Die Schriftstellerin beobachtet, will gar nicht interagieren, sie hat meistens ein Buch, einen Laptop oder Notizheft und Stift dabei. Sie grenzt sich ab, hat manchmal Angst, denen in der Kneipe, ähnlicher zu sein, als sie möchte. Sie trinken alle, nur die anderen eben mit wenig Geld und in Abhängigkeit vom Sozialamt. Als sie sich näher mit Ada einlässt, merkt sie schnell, dass die Unterschiede sehr groß sind, die eine hat die Sprache, kann sich ausdrücken, wird gehört und die andere hat nur wenige Worte zur Verfügung. Vigdis Hjorth ist eine der wenigen, die ein Buch von gerade einmal 172 Seiten zu einem Schwergewicht machen kann, dass sich leicht lesen lässt.
Der gute Mensch von Sandvika
Autorin: Vigdis Hjorth
Übersetzerin: Gabriele Haefs
Verlag: S. Fischer
ISBN: 9783103977721
Preis: 24,00 € -
Wildwandler – Das Reich unter den Wurzeln von Hakon Marcus

Im Februar 2025 erschien der erste Teil der Serie: Wildwandler – Der Ruf der weißen Eule, den ich gerne gelesen und besprochen habe. Zu meiner damaligen Besprechung geht es hier: https://kabra-books.de/wildwandler-der-ruf-der-weissen-eule-von-hakon-marcus/ Ich war sehr angetan von der Fantasiewelt, die Hakon Marcus da erschaffen hat und besonders davon, wie sie sich mit unserer Alltagswelt vermischt und manchmal kollidiert. Folglich habe ich mich sehr auf den zweiten Teil der geplanten Trilogie gefreut. Was soll ich sagen? In diesem Fall war Vorfreude, die schönste Freude!
Am Ende des 1. Teils erfährt Embla, dass sie doch kein Werwesen ist und folglich ist es schwer für sie und ihre Freunde, aus der Welt der Werwesen, in Verbindung zu bleiben. Doch dann stiehlt ein Junge ihren Rucksack in dem sich Gegenstände aus der Werwelt befinden und sie verwandelt sich. Sie ist also doch ein Werwesen und darf nun mit ihren Freunden Harriet und Jarne auf die Schule für Werwesen gehen. In die Begeisterung mischt sich Sorge, denn bereits auf der Fahrt nach Gamle Yggre wird klar, dass so einiges nicht stimmt, in der Außenmark …
Fangen wir mal mit dem an was mir gefällt. Nach wie vor mag ich die Charaktere und Grundidee, mir gefällt dass es mehr unter die Oberfläche geht, dass die Personen nicht so glattgeleckt sind und verschiedene Familiengeschichten haben, wie im richtigen Leben, halt.
Was mir an diesem Teil nicht gefallen hat, dass die eigentliche Geschichte zerfasert. Nicht nur zerfasert, sondern die Grundidee, scheint nicht wirklich zu tragen und das wird mit allerlei magischen Brimborium überfrachtet. Was den Epilog betrifft, so ist mir schon klar, dass dieser als Aufhänger für den 3. Teil gebraucht wird, doch er wirkt wie ein Anhängsel ohne direkten Bezug zu der eigentlich Geschichte. Sicher die Personen sind bekannt, doch wie sie dahin kommen und wie es zu den Handlungen kommt, bleibt mehr als rätselhaft.
Schade!
Wildwandler - Das Reich unter den Wurzeln
Autor: Hakon Marcus
Übersetzerin aus dem Norwegischem: Gabriele Haefs
Verlag: arsEdition
ISBN: 9783845860862
Preis: 17,00 € -
Diamanten und Rost von Anne Holt
Der 13. und letzte Fall für Hanne Wilhelmsen. Nach zehn Büchern, um die sperrige, manchmal nur schwer zu ertragendende Ermittlerin, sollte schon einmal Schluss sein. Doch dann erschienen nach längerer Pause Das elfte Manuskript, Zwölf wilde Pferde und nun, Diamanten und Rost.
In diesen letzten drei Büchern war Hanne Wilhelmsen nicht mehr bei der Polizei. Gelähmt, an den Rollstuhl gefesselt, ermittelte sie auf eigene Faust, mit Unterstützung von Henrik Holme, als Verbindung zu den offiziellen Ermittler:innen. Doch Henrik gibt es nun nicht mehr und da Hannes Frau Nefis ihr noch immer einen Teil der Schuld daran gibt, hatte sie sie mit Tochter Ida verlassen. Ihre Bedingung für ein weiteres Zusammenleben: Das Hanne sich mehr in das soziale Leben einbringt. So kommt es, dass sie die Ferien in ihrer neuerworbenen Hütte am Meer verbringen, wo Hanne glaubt den Verstand zu verlieren, denn Sonne, Gäste, Ferienspaß und so weiter, sind nun mal nicht ihres. Doch es gibt einen Lichtblick, einmal lernt sie Kristine Hoff kennen, die in der Nachbarhütte lebt, eine gefeierte Krimiautorin, die Hanne schon lange bewundert. Der zweite Lichtblick in einer Viehtränke wird unter rätselhaften Umständen eine nackte Frauenleiche gefunden. Hanne beginnt zu ermitteln …
Der Titel Diamanten und Rost bezieht sich auf ein Lied von Joan Baez. Denn in Erinnerungen finden sich oft Diamanten, aber eben auch Rost. Und um den Fall zu lösen, geht es um Erinnerungen, denn was geschehen ist, hat seinen Ursprung tief in der Vergangenheit.
Nun heißt es also endgültig Abschiednehmen von Hanne Wilhelmsen. Ich habe alle Bücher der Serie gelesen und alle gerne, obwohl die gute Hanne, nicht leicht zu mögen ist. Eigentlich so gar nicht. Doch das ist fast ein Markenzeichen von Anne Holts Protagonistinnen, auch mit Inger Johanne Vik und Selma Falk, macht sie es uns nicht leicht, dass man trotzdem mit ihnen mitfiebert, spricht für Anne Holts Qualität als Autorin.
Auch in diesem letzten Band der Serie, finden sich, was die Bücher von Anne Holt ausmachen. Themen von gesellschaftlicher Relevanz, farbige Nebenschauplätze, lebendige Charaktere und ein spannender Plot.
Diamanten und Rost
Autorin: Anne Holt
Übersetzerin: Gabriele Haefs
ISBN: 9783855352562
Verlag: Atrium
Preis: 24,00 € -
Heute in der Post

Heute kamen mit der Post drei Bücher, die meine Lieblingsübersetzerin Gabriele Haefs, aus dem Norwegischen übersetzt hat. Alle drei von Autor:innen, die ich sehr schätze. Wildwandler – Im Reich unter den Wurzeln ist von Hakon Marcus, einem jungen Autoren, der mit Wildwandler 1 einen fulminanten Start hingelegt hat und nun endlich den 2. Teil vorlegt. Vigdis Hjorth ist immer eine Freude, auch – oder gerade -weil sie tief in die Abgründe der Menschen taucht. Nicht als Krimi, sondern in dem normalen Miteinander. Last but not least: Anne Holt mit Diamanten und Rost, den 13. und letzten Band aus der Hanne Wilhelmsen Reihe, es ist also Zeit sich von dieser Ermittlerin zu verabschieden, deren Fälle ich immer spannend fand, die mir aber als Person mächtig auf die Nerven ging. Vielleicht habe ich mir das Buch deswegen als erstes herausgenommen. Es stehen also spannende Lesestunden an.













