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Niemand da von Ingvar Ambjørnsen

Ingvar Ambjørnsen ist nicht mehr da. Am 19. Juli 2025 ist er gestorben. Daher lesen sich die 12 Geschichten in diesem Buch, mit einer gewissen Wehmut. Es ist das letzte, an dem er aktiv gearbeitet hat. Die norwegische Ausgabe, die den Titel «Die Trauer in St. Peter Ording» hat, enthält fünf Geschichten weniger, als die deutsche. Eine norwegische Rezensentin hat geschrieben «eine Art Wunder – wie schwarze Perlen auf einer Schnur». Die deutschen Lesenden haben also fünf schwarze Perlen mehr auf der Erzählschnur. Die letzte Geschichte «Toter Hund» ist leider unvollendet. Ja, es ist schade, dass Ambjørnsen nun nicht mehr auflösen kann, wie die Geschichte weitergeht, die mit einem erschossenen Hund am Morgen beginnt und sich zu nach und nach zu einer Vier- bis Fünf- vielleicht auch Sechseck Geschichte entwickelt. Andererseits macht es auch Spaß zu spekulieren, wie der Autor es sich weitergedacht hat.
Die Geschichten in diesem Band gleiten ineinander über, obwohl sie nicht zusammenhängen. Ambjørnsen Fans dürfen sich auf das Treffen mit einigen alten Bekannten freuen. Um es gleich zu sagen: Elling taucht nicht auf, aber Sune aus «Die Nacht träumt vom Tag» erscheint in der Geschichte «Rotes Totem». Otto Gedde, bekannt aus «Eine lange Nacht auf Erden» – dort heißt er Claes Otto Gedde – taucht in «Der Berg ruft» als blinder Pianist auf und wie man im Geleitwort von Gabriele Haefs, der Übersetzerin und Ehefrau des Autors, erfährt, war auch ein Roman über sein Leben als Blindenimitator geplant. Ewig schade, den nicht mehr lesen zu können. Die Schnur, die die Perlen zusammenhält, ist der Tod. Nicht der Tod als Bedrohung, weder Freund noch Feind, sondern einfach eine zu akzeptierende Präsenz im Leben.
Ingvar Ambjørnsen war ein Meister darin, das Unsichtbare, die Untertöne sichtbar zu machen, ohne sie zu benennen. Dabei fehlte nie der Blick auf die komischen Seiten im Alltagsgeschehen. Eine Stimme, die fehlen wird.Niemand da
Autor: Ingvar Ambjørnsen
Übersetzerin: Gabriele Haefs
Verlag: Edition Nautilus
ISBN: 9783960544753
Preis: 24,00 € -
Die Namen von Florence Knapp

Es ist 1987, Cora und Gordon haben ihr zweites Kind bekommen. Gordon, einerseits der beliebte Arzt, andererseits herrschsüchtig, gewalttätig und sadistisch seiner Frau gegenüber, will dass der Junge Gordon heißt, wie es Tradition in seiner Familie ist. Cora gefällt das nicht, sie ist für Julian, Maia die 9jährige Schwester plädiert für Bear, weil das Baby so kuschelig und weich aussieht. Das ist die Ausgangssituation. Ab hier verfolgt Florence Knapp, was geschähe, wenn Cora auf dem Amt nun den Namen Bear oder Julian oder Gordon eintrage ließe. Wie würden das Leben des Kindes, ganz zu schweigen das der gesamten Familie, verlaufen. Welchen Einfluss hätte der Name?
In Abständen von jeweils sieben Jahren, erzählt die Autorin die Geschichte der Familie. Dabei ist jeweils ein Strang, einem Namen zugeordnet. Was bleibt ist die Grundsituation: Cora, die von ihrem Mann gedemütigt und gequält wird. Maia, die mit neun Jahren Vorsprung zu ihrem Bruder, schon einiges davon mitbekommen hat. Dieses Spiel mit dem Einfluss eines Namens auf das Leben, ist der Autorin sehr gelungen. Nicht umsonst wurde „Die Namen“ allseits, als bester Debütroman gelobt.
„Die Namen“ ist eines von den Büchern, die einem noch lange beschäftigen. Denn außer den Namen, die die Personen tragen, spielt natürlich auch noch einiges andere eine entscheidene Rolle. Es ist ein „Was wäre wenn Spiel“ bei dem man automatisch an Situationen in der eigenen Lebensgeschichte zurückdenkt, in denen eine anscheinend kleine Entscheidung die Weichen neu stellte. Dabei liest es sich leicht und entwickelt sehr schnell eine Sogwirkung.
Die Namen
Autorin: Florence Knapp
Übersetzerin: Lisa Kögeböhn
Verlag: Eichborn
ISBN: 9783847902294
Preis: 24,00 € -
Tödliche Felder von Malin Thunberg Schunke

Ein neuer Fall für Fabia Moretti und Esther Edh von Eurojust. Vordergründig geht es darum einen rumänischen und zwei polnische Staatsbürger aufzufinden, von denen man zuletzt von einer der Tomatenplantagen in Italien gehört hat. Doch Corrado Sanna, von der italienischen Polizei, hat noch ein weiteres Anliegen und das hat einen Namen: Francesco Vitall. Bereits in einem anderen Fall ist haben sich ihre Wege gekreuzt, leider war es nicht möglich ihn dingfest zu machen oder ihm auch nur konkrete Verbindungen zur Camorra zu beweisen. Doch Vitali ist im Vorstand von Ecolofruit, eine der Plantagen, auf denen die verschwundenen Arbeiter zuletzt gesehen wurden. Es wird beschlossen einen Undercover Agenten einzuschleusen, der sich umhören soll. Dieser entdeckt nicht nur, die unmenschlichen Bedingungen, unter denen die Arbeiter dort leben. Die Menschen die dort schuften, werden wie Sklaven gehalten. Doch Tommasso, der Undercover Agent, entdeckt unter anderem, dass in dem Biobetrieb großzügig in der EU, und im Bioanbau erst recht, verbotetene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Diese Entdeckung bringt Tommass
Manchmal liest man einen Kriminalroman und denkt, ach nee, dass ist nun aber ein wenig weit hergeholt. Liest man die Bücher von Malin Thunberg Schunke, ist es umgekehrt, in dem Fall muss man sich immer einmal daran erinnern, dass es Fiktion ist. Fiktion gekonnt mit Fakten gepaart. Gerne mehr davon.
Tödliche Felder
Autorin: Malin Thunberg Schunke
Übersetzerin aus dem Schwedischen: Stefanie Werner
Verlag: Polar Verlag
ISBN: 9783910918443
Preis: 17,00 € -
Wir sind alle gleich, Monsieur – Eine Feministin erhebt Einspruch – Louise Dupin – Herausg: Rudolf von Bitter

Louise Dupins (1706 – 1799) Schrift „Gegen das Vorurteil von der Ungleichheit der Geschlechter“ wurde nicht zu ihren Lebzeiten veröffentlicht. Sie diktierte weite Teile einem gewissen Jean-Jaques Rosseau, der einige Zeit Sekräter im Hause Dupin war. Der Text wurde in den 50er Jahren bei einer Versteigerung seiner Handschriften entdeckt. Insgesamt soll das Werk an die 3000 Blätter umfassen. Für dieses, wie immer im Wagenbach Verlag, wunderschön aufgemachte Büchlein, hat Rudolf von Bitter Auszüge übersetzt und herausgegeben. Zu Wort kommen auch ihre Stief-Enkelin George Sand mit ihrem Text „Die Berühmheit in meiner Familie, Jean-Jaques Rosseau mit einem Auszug seiner „Bekenntnisse“ in dem er von seiner Zeit als Sekräter und Besucher des Salons von Louise Dupin erzählt. Zu diesen Besuchern gehörte ebenso Voltaire, der sich in seinem Sketch „Frauen, seid untertan euren Männer“ deutlich der Argumentation Louise Dupins bedient.
Louise Dupin war eine vielseitig interessierte Frau, sie war belesen, hoch gebildet und auch wissenschaftlich interessiert. In ihrem Text „Gegen das Vorurteil von der Ungleichheit der Geschlechter“ verzichtet sie darauf zu theoretisieren. Sie beginnt einfach und praktisch mit den körperlichen Unterschieden und damit, wie sehr die Argumention hinkt, dass diese eine wirkliche Rolle spielen. Sie bezieht sich auf ältere Texte in denen die angeblich geringere Intelligenz von Frauen behandelt wird und entkräftet sie, logisch und mit praktischen Beispielen. Zum Beipiel, dass Mädchen in der Regel keine umfassende Ausbildung erhalten.
Der Text ist 300 Jahre alt und beim Lesen stellen sich widersprüchliche Gedanken ein. Der eine: Ja, wir haben viel erreicht! Der andere: Es ist noch soviel zu tun! Es stimmt, dass es Frauen mittlerweile auf Vorstandsposten und in Machtpositionen schaffen, doch nur, wenn sie den patriachalischen Rahmen nicht in Frage stellen. Ungleiche Bezahlung und eine höhere Belastung in der Haus- und Pflegearbeit für Frauen, sind immer noch Tatsache.
Wir leben in einer Zeit, in der so viele Errungenschaften des Feminismus auf der Kippe stehen und gerade darum ist es gut, dass dieser Text von Louise Dupin, der sich übrigens sehr heutig liest, nun vorliegt.
Wir sind alle gleich, Monsieur - Eine Feministin erhebt Einspruch
Autorin: Louise Dupin
Weitere: George Sand, Jean-Jaques Rosseau, Voltaire
Herausgeber und Übersetzer: Rudolf von Bitter
Verlag: Wagenbach Edition: Salto
ISBN: 9783803113870
Preis: 22,00 € -
Mit dem ersten Licht von Florian Knöppler

Eine perfekte liebevolle Familie, ein schönes Zuhause und Freund:innen, das alles hat Arne und doch fühlt er sich einsam. Er ist einer, der immer bei allem mitmacht, aber sich nie zugehörig fühlt. Als Laura in seine Klasse kommt, verliebt er sich in sie und die Beiden kommen sich schnell näher. Arne ist nicht mehr einsam, obwohl er sehr wohl spürt, dass bei Laura etwas nicht stimmt.
Florian Knöppler erzählt Arnes und Lauras Geschichte über einen Zeitraum von mehreren Jahren, die beiden sind 14 als sie sich kennenlernen und das Buch endet, als sie Anfang zwanzig sind. Es ist eine bittersüße Liebesgeschichte, die von so einigem belastet ist. Einsamkeit, Depression, Trauer, häusliche Gewalt und das überwältigende Gefühl erster Liebe, machen den Protgonist:innen zu schaffen. Es ist ein Buch in das man sanft reingezogen. Es ist eine Gesichte der leisen Töne.
Doch ich habe auch einen Kritikpunkt. Die Dialoge wirken oft gestelzt, zu erwachsen. Immer wieder dachte ich, so reden junge Leute nicht untereinander. Da hätte ich mir mehr Authentizität gewünscht.
Mit dem ersten Licht
Autor: Florian Knöppler
Verlag: Pendragon
ISBN: 9783865329257
Preis: 24,00 -
Realtiy von Jasmin Ramadan

Lilith Innocentia West, kurz Lit genannt, eine nicht mehr ganz junge erfolglose Künstlerin, ist das Kind recht erfolgreicher Eltern. Der Vater Söhnke, ein bewunderter Schriftsteller – zur Zeit der Handlung in einer Krise – und die Mutter Wanda, die berühmteste Psychologin der Nation, mit einer Reihe Büchern und eigenem Podcast. Als Wanda in ihrem Podcast über ihre Tochter spricht und ihr Alexithymie, die Unfähigkeit Gefühle zu empfinden, diagnostiziert, bricht Lit den Kontakt ab. Sie ist sich sicher, dass es nicht so ist. Sie kann Gefühle wahrnehmen, sie kann sogar förmlich darin baden. Allerdings nur, wenn sie sie bei anderen auslöst. Sie genießt es, Leute in Wut zu bringen und kreiert mit Hingabe Situationen, in denen das geschieht. Obwohl sie die Diagnose ihrer Mutter für falsch hält, setzt sich doch durch sie etwas in ihre in Bewegung. Sie begibt sich auf eine Nordseeinsel. Dort jobt sie ein wenig vor sich hin, bis eines Nachts eine surreale Erscheinung namens Plü erscheint und ihr mitteilt, wenn sie es schafft, innerhalb eines halben Jahres wirklich tiefe Liebe zu empfinden, wird sie 89 Millionen erben. Lit ist sich zwar nicht sicher, dass ihr das gelingt, aber sie kehrt zurück in die Stadt und aktiviert schon mal die Datingpools.
Lits Reise zur Liebe und zur Aufdeckung des Traumas, das sie mit sich herumschleppt, ist berührend, spannend, fantasievoll und furios erzählt. Dabei war ich versucht das Buch nach den ersten 20 Seiten auf die Seite zu legen, weil ich es ein wenig schwer hatte in den Erzählstil zu kommen. Ich bin so froh, dass ich bei der Stange geblieben bin. Die Sprache des Buches ist sehr heutig, es ist schnell, es zeigt viel von der Verlorenheit einer Generation zu Snapchatzeiten. Trauma, ererbtes Trauma, die Ansprüche der Familie und der Gesellschaft und die Suche nach den verlorenen, verdrängten Elementen der Vergangenheit. Trotz dieser Themenvielfalt liest sich das Buch leicht und die Art wie Lit die Lesenden immer wieder anspricht, sie zum Teil ihrer Geschichte macht, vertieft die Beziehung zur Protagonistin.
Reality
Autorin: Jasmin Ramadan
Verlag: Weissbooks
ISBN: 9783863372309
Preis: 24,00 € -
Endzeit von Frauke Buchholz

Endzeit ist der 4. Band der Reihe um den Profiler Ted Garner.
Mittlerweile hat Garner seinen Job als Profiler aufgegeben. Besonders die letzten beiden Fälle, haben ihn schwer traumatisiert und so ist er nun als Psychotherapeut tätig. Das ist nicht so wirklich sein Ding, denn Empathie, so richtig von Mensch zu Mensch, ist wahrlich nicht seine Kernkompetenz. Es ist also für seinen Ex-Chef nicht allzu schwer ihn als Experten für einen besonderen Fall zu engagieren.
In einem abgelegenen Haus werden drei Leichen entdeckt. Mutter und zwei Kinder. Das dritte Kind ist verschwunden, so auch der Vater der Familie. Nur dessen Ohr wird noch am Tatort gefunden … und eine Adlerfeder. Schnell wird darauf geschlossen, dass der Mord von einem indigenen Täter begannen wurde. Der Großvater des kleinen Kindes ist ein wohlhabener Spediteur und als nach Tagen eine Lösegeldforderung eintrifft, steigt die Hoffnung, dass Felix und sein Vater noch leben. Die Übergabe geht auf dramatische Weise schief und alles verläuft sich. Man nimmt einen jungen Indigenen fest, auf den Garners Profil passt, doch Zweifel bleiben. Vor allem, Kind und Vater bleiben verschwunden.
Frauke Buchholz Kriminalromane berühren immer auch die aktuellen Themen der Gesellschaft. In diesem Fall geht es um Endzeitparanoia und was sie auslösen kann. Ihre Charaktere sind nie nur Porjektionsflächen und sind nicht in ein einfaches gut und böse Schema einzuordnen. Ihre Plots sind gut durchdacht, wirken aber nicht konstruiert und sie kennt das Land in dem sie spielen. Die Autorin hat lange in Kanada gelebt.
Ted Garner Reihe:
Frostmond
Blutrodeo
SkalpjagdEndzeit
Der vierte Fall für Ted Garner. Kriminalroman. 20,6 cm / 13,5 cm ( B/H )
Buch (Softcover), 328 Seiten
EAN 9783865329240
Veröffentlicht Februar 2026
Verlag/Hersteller Pendragon Verlag -
Christof Stählin – Privatlieder und ihre Verwandten

Ich habe hier die Qual der Wahl (oder auch der Betreiber des Journals), wo diese Rezension inzuordnen ist. Einerseits ist es ein sehr schön und aufwendig, trotzdem schlicht, gestaltetes Buch, andrerseits sind dabei 2 CDs mit der Musik von Stählin, die außer der Lieder der ersten LP Privatlieder noch reichlich Bonusmaterialenthalten, teils auch Aufnahmen von Auftritten enthalten.
Die Tonqualität ist überraschend gut, wenn man bedenkt, dass die Tonbänder, von denen die Aufnahmen kopiert wurden, schon teils über 60 Jahre alt sind. Einige der Aufnahmen sind sogar noch Monophon, was dem Hörerlebnis aber nicht schadet.
Da Stählin bei den Liedern oft ins erzählerische abgleitet bzw. Erklärungen um die Texte rum einwirft, kann man alles auch als Kabarett à Hans-Dieter Hüsch einordnen. An diese erinnern mich Stählins Werke auch. Humorvoll, manchmal sehr schnell gesprochen, auch politisch, selten direkt sondern eher zwischenzeilig oder mit Anspielungen. Vorallem die Livemitschnitte zeigen einen Hang zum Anarchistschen.
Das Buch selber, eigentlich die Hauptsache, ist eine Dokumentation seines Lebens bis Mitte der 1970er Jahre mit kurzem Abriss seiner späteren Jahre. Nicht nur die Liedertexte der CDs sind da aufgeführt, sondern auch einige seiner Artikel, die er für verschiedene Zeitschriften verfasst hat, ein Interview und historisches Material. Auch Zeichnungen von ihm und Fotos, die mit seinem Werdegang zu tun haben, sind im Buch enthalten. Oft sind bei seinen Texten erklärende Kommentare als Fußnoten beigefügt, um die zeitlichen Zusammenhänge deutlich zu machen.
Es ist ein Buch, das dem Werk Christof Stählin würdig ist und seine Genialität sehr gut dokumentiert. Mit den CDs zusammen eine wirklich runde Sache.
ISBN konnte ich leider nicht finden, produziert wurden Buch unf CDs aber gemeinsam von der Stiftung Rheinland.Pfalz für Kultur, der Peter-Rohland-Stiftung, der Edition Nomen+Omen und der Christof-Stählin-Gesellschaft
für die CDs gilt: GEMA: LC 05658
https://www.christof-staehlin-gesellschaft.de/bestellung
v-zero Gastbeitrag von Viktor Braun
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Sag mir, wo die Liebe wohnt von Kersten Flenter

Kersten Flenter macht sich in 41 Geschichten auf die Suche nach dem Ort wo die Liebe wohnt. Wer sich mit ihm aufmacht, wird vielleicht nicht deren genaue Adresse finden, aber eine extrem unterhaltsame Zeit haben. Es macht auch nichts, dass sich keine gültige Antwort findet, denn bekanntlich sind ja manche Fragen wichtiger als die Antworten und die Suche spannender und unterhaltsamer als das Finden. Eine Ahnung wo besagte Liebe haust bekommt man aber beim Lesen: Im Blick des Autors auf eine Welt, deren Entwicklung und deren Akteure ihm Sorgen macht.
Der Reigen der Geschichten geht von der analogen in die digitale Welt. Manchmal mit einem nostalgischen Blick, ausgelöst durch einen Gegenstand, wie etwa einen Stopfpilz. Der die Frage auslöst, warum wir eine Gesellschaft der Sockenwegwerfer geworden sind, wo es doch im Sinne der Nachhaltigkeit besser wäre zu stopfen. Schön auch die „Ratschläge an einen angehenden Schriftsteller“. Herrlich der Blick auf die 6 Akademiker, die einen Campingausflug plus Junggesellenabschied planen. Noch einmal wollen sie, wie in ihrer Jugend spontan los und es krachen lassen. Doch in digistalisierten Zeiten geht das natürlich nicht ohne What’s app Gruppe und anderen Segnungen die das Leben bequemer machen.
Eine absolute Lesempfehlung, auch zum Vorlesen.
Sag mir, wo die Liebe wohnt
Autor: Kersten Flenter
Verlag: Blaulicht
Preis: 9,90 € -
Olav Audunssohn von Sigrid Undset

Olav Audunssohn und Ingunn Steinfinnstochter werden in bewegte Zeiten geboren. Es ist das 13. Jahrhundert in Norwegen, das Land ist zwar christianisiert, aber es gibt noch genügend die meinen, die Kirche solle sich um die Seelen kümmern und ansonsten sollten die alten Sippengesetze gelten. In mitten dieses Ringens geraten Olav und Ingunn. Als Kinder hat man sie miteinander verlobt und da Olav der Pflegesohn von Ingunns Vater ist, sind sie zusammenaufgewachsen. Sie wussten um das Verlöbnis. Doch nachdem Steinfinn starb, werden seine minderjährigen Kinder Mündel von Verwandten, die sich für die schöne, allerdings nicht sehr kluge, Ingunn, eine bessere Partie wünschen und kurz erklären, dass diese Verlobung in Kindertagen doch wohl nur ein Spaß gewesen sein kann. Olav will das nicht hinnehmen und besteht auf dem Verlöbnis. Da er und Ingunn mittlerweile miteinander schlafen, gelten sie im Sinne der Kirche als verheiratet und ein langes Tauziehen mit der Sippe beginnt. Schließlich kommt es zu einem Vergleich, bevor der entgültig besiegelt werden kann, erschlägt Olav im Streit einen von Ingunns Verwandten, wird für vogelfrei erklärt und muss das Land für vier Jahre verlassen.
Sigrid Undset wurde einmal von einem Kritiker geraten, es doch mit diesen Mittelalterromanen zu lassen. Wie gut, dass sie nicht auf ihn gehört hat. Denn sowohl Kristian Lavranstochter als auch Olav Audunssohn, beide spielen zur selben Zeit, sind Meisterwerke. Ihre Beschreibungen der Menschen, deren Lebensumstände, der Natur die sie umgibt, das ist Lesen in 3-D. Es ist eines der Bücher, die man am Liebsten sofort nach dem Beenden wieder von vorne beginnen würde. Doch es gibt Grund zur Freude, Olavs Geschichte geht weiter, der zweite Band erscheint bereits am 20.03.2026.
Olav Audunssohn
Autorin: Sigrid Undset
Übersetzerin aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs
Verlag: Kröner
ISBN: 9783520629050
Preis: 30,00 €













