Im Licht der Lofoten von Sophie van der Linden

Anfang der 1930er Jahre zieht die Malerin Anna Boberg alleine in ihre Hütte auf die Lofoten. Von November an will sie dort überwintern und malen. Will dieses besondere Licht einfangen, das den Schnee zum Leuchten bringt. Die Hütte hat ihr ihr Mann, der Architekt Ferdinand Boberg, gebaut, mit dem sie sonst zusammenarbeitet. Er baut die Häuser, sie kümmert sich ums Interrieur. Aber sie ist halt auch Malerin, zwar ohne Ausbildung, aber doch mit viel beachteten Ausstellungen in Paris. Nur in ihrer Heimat Schweden versagt man ihr die Anerkennung. Dort wird sie, als Dilettantin gesehen, da sie nie Kunst oder gar Malerei studiert hat. Ihr Ziel ist es, in diesem bewussten Winter auf den Lofoten, Bilder mit nach Stockholm zu bringen, die die Kritiker zwingen ihr Anerkennung zu zollen. Anfang November sieht es nicht so vielversprechend aus. Noch liegt kein Schnee, doch der kommt. Während sie ihr Atelier einrichtet, refelktiert sie ihr Leben, bleibt an so einigen Stationen hängen und zwischendrin malt sie und erkennt, unter anderem, dass gerade die Maltechnik, die sie sich selbst erarbeitet hat, gut geeignet ist, um die Landschaft auf der Leinwand lebendig zu werden zu lassen.

Sophie von der Linden hat ihren Roman nach den Tagebüchern von Anna Bloberg geschrieben und nimmt die Lesenden mit, in das Leben einer faszinierenden Frau, die ein Leben voller Gegensätze führte. Gesellschaftsdame auf der einen Seite, Assistentin und Partnerin ihres Mannes in Sachen Architektur, sowie Reisende und Abenteuerin. Ganz zu schweigen davon, eine Frau, die in Farben und Bildern dachte und einiges an Unbequemlichkeiten auf sich nahm, um sie zu malen. Diese Gegensätze bringt Sophie Van der Linden den Lesenden nahe.

Im Licht der Lofoten
Autorin: Sophie van der Linden
Übersetzerin: Valerie Schneider
Verlag: Mare
ISBN: 9783866487536
Preis: 20,00 €

Geteilt. Durch Du und Du von Aida Larsingen

Felix ist einer von denen die, oberflächlich betrachtet, alles im Griff zu haben scheinen. Doch der Schein trügt gewaltig. Er ist so damit beschäftigt, sich keine Blöße zu geben, dass ihm dabei der Kontakt zu seinen Mitmenschen abhanden kommt. Als seine Freundin Nika schließlich genug hat und eine Pause von der Beziehung will, kommt Felix doch ein wenig ins Straucheln, sofort ist er sich sicher, dass es an den übertriebenen Ansprüchen Nikas liegen muss, die ja seiner Meinung nach, ohnehin zu verträumt und kindlich ist, mit ihrer Knopfsammlung und so. Im Büro geht der Ärger weiter. Er steht in einem Meeting dumm da, natürlich ist die Sekräterin schuld. Felix ist so damit beschäftigt, die Kontrolle zu behalten, dass auf dem Weg, die Wahrnehmung des Gegenübers und eine Grundhöflichkeit flöten gingen. Nur keine Schwäche zeigen, ist seine Devise, schließlich ist er stark, erfolgreich, ein echter Mann … und doch hat Nikas Weggang etwas ausgelöst. Statt, wie sonst in einen seeligen Schalf des Vergessens zu versinken, führt es ihn im Traum in einen Raum voller Spiegel, durch die man Tiere schimmern sieht und eine Stimme erklärt ihm, was es damit auf sich hat. Jedes Tier steht für eine der Ängste, die ihn letztlich zu diesem Kontrollfreak, der er nun ist gemacht haben. Jede Nacht wird er eine kennenlernen und kann entscheiden, ob er sich ihr im Alltagsgeschehen stellen und die Chance zur Veränderung ergreifen wird.

Die Autorin hat mit dem Thema Ängste, besonders die unbewussten, und wie sie das Verhalten steuern, einen Punkt gefunden der viele anspricht und es leicht macht sich auf Felix, und das Geschehen um ihn, einzulassen. Sie schont ihren Protagonisten in keinster Weise und Felix sieht man beim Lesen sehr plastisch vor sich. Gewünscht hätte ich mir, dass sie den Nebenfiguren ein wenig mehr 3 Dimensionalität verliehen hätte, die bleiben doch recht blass.

Fazit: Ein feines kleines Buch, über ein komplexes Thema, dem ich viele Lesende wünsche.

Geteilt. Durch Du und Du
Autorin: Aida Larsingen
Selfpublishing - Vertrieb und Druck: Epubli
E- Book 2,99 €
Print: 9,99 €

Hotel Ambrosia – Du. Entkommst. Nicht. von Katie Kento

Buchcover Hotel Ambrosi von Kaitie Kento. Hintergrund Veilen in lila und blau.

San Bernadino, Kalifornien, das Hotel Ambrosia – eines der Häuser, die eher in die -3 Sterne Kategorie gehören, wozu sicher seine Geschichte beiträgt. Morde, Selbstmorde, Kindesentführung und Drogen. Seit 1920 hat sich dort so allerlei blutiges ereignet. Ein ideales Thema für True-Crime Podcaster und so mit für Robyn, die dem Hotel gegenüber wohnt. Robyn ist 17 und liebt True Crime, besonders hat es ihr der Podcast von Whispering Ivy angetan. Gemeinsam planen sie ein großes Feature über das Hotel Ambrosia. Robyn soll sich dort einchecken, Fotos machen und Interviews führen. Doch es gibt ein Problem! Robyn hat ME/CFS und sitzt im Rollstuhl. Sie lebt mit ihrer Großtante, die sie bei sich aufgenommen hat, nachdem Robyns Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Tante Nelly kümmert sich liebvoll um Robyn, der es langsam zu eng wird. Sie wünscht sich ein Leben, wie es die meisten Teenager in ihrem Alter haben … oder wenigstens ein wenig mehr Freiheit. Eigenes Geld etwa. Robyn glaubt schon ihr Plan die Recherche für den Podcast zu machen ist zum Scheitern verurteilt, doch da hat sie ein wenig Glück. Während der Abwesenheit ihrer Tante bricht A. J. bei ihr ein. Er ist ungefähr in ihrem Alter und gehört nicht zur abgebrühten Sorte der Verbrecher. Robyn erpresst ihn, sich an ihrer Statt in dem Hotel einzuchecken und sich dort umzusehen. A.J. stimmt zu. Robyn geht es nicht mehr nur um die Recherche für den Podcast. Sie ist sich sicher, dass eine ihrer Internetfreundinnen im Ambrosia wohnte und von dort entführt wurde.

Soweit ein Einblick in die Handlung. Dieses Buch ist im One Verlag erschienen, der sich auf Young Adult Literatur spezialisiert hat. Es ist das 2. Buch von Katie Kento, das ich gelesen habe. Kento schreibt im Grunde klassische Who dunnits? und das macht sie ausgezeichnet. Ein spannender Plot, viele überraschende Wendungen, eine Protagonistin, die sich von ihren gesundheitlichen Einschränkungen nicht unterkriegen lässt und ein spannendes Setting. Sehr gefallen hat mir, wie sie die Sekundärthemen, wie Internetfrauds und Medical Child Abuse, mit der Geschichte verwebt, ohne die Lesenden in Fachwörtern und langen Ausführungen zu ersticken. Eine der Autorinnen, die begriffen hat, dass Zeigen wichtiger ist, als Beschreiben.

Fazit: Absolute Leseempfehlung!

Hotel Ambrosia - DU. ENTKOMMST. NICHT.
Autorin: Katie Kento
Verlag: ONE
ISBN: 978-3-8466-0259-1
Preis: 17,00 €

Fischkopp Vendetta von Patricia Brandt

Mit Fischkopp Vendetta legt Patricia Brandt den 5. Teil ihrer Küsten Krimi Reihe vor. Wie die Vorgänger spielt auch dieser in Hohwacht.

Es beginnt mit einer Gruppe Aussteiger, die sich in der Nähe von Hohwacht einen Hof gekauft haben, um dort nun glücklich und in Gemeinschaft zu leben. Als sie ankommen, finden sie erst einmal die Leiche des Vorbesitzers … und ein Fass mit Waffen, Geld und gefälschten Pässen. Das ruft natürlich Oke Oltmann, Hohwachts Kommisar auf den Plan. Dabei hat der nun wahrlich schon genug Probleme, Gattin Inse scheint sich verliebt zu haben und im Hotel findet eine Esoterikmesse statt. Zu allem Überfluss ist auch noch ein Reporter unterwegs, um eine Reprotage über das mörderische Hohwacht zu schreiben.

So weit, so gut. Es klingt nach gelungenen Zutaten. Skurille Charaktere, ein idyllisches Setting, Themen mit aktuellen Bezug, wie Klimaschutz. Alles dabei … und doch zündet es nicht richtig. Zum einen liegt es am zuviel. Skurille Charaktere sind schön und gut, doch wenn beim Lesen das Gefühl aufkommt, das kleine Hohwacht wäre mit nichts anderem bevölkert, wird es leicht ermüdend. Vor allem aber zerfasert der Plot vor lauter Originalität.

Die Autorin gibt sich reichlich Mühe Lokalkolorit rüberzubringen, etwa mit Plattdeutschen Gesprächsfetzen. Leider hat da das Lektorat zugeschlagen und diese Sequenzen für alle Regionen kompatibel machen wollen. Was dabei rausgekommen ist? Lesenden, die des Plattdeutschen mächtig sind (wie ich) dürften sich die Fußnägel kräuseln. Andere wieder könnten zu dem Schluss kommen, dass in Hohwacht Sätze mit plattdeutsch beginnen und in hochdeutsch enden. Das hätte sich nun wahrlich eleganter, etwa mit einem kleinen Glossar der typischen Redewendungen lösen lassen.

Fischkopp Vendetta
Autorin: Patricia Brandt
Verlag: Gmeiner
ISBN: 9783839280706
Preis: 14,00 €

(Aktion) Mein SuB kommt zu Wort

Anna von *Annas Bücherstapel* hat 2016 eine neue Gemeinschaftsaktion ins Leben gerufen, die Vanessa von *Vanessas Literaturblog* und ich im August 2021 übernommen haben. Seit Mai 2025 führt Melli von Mellis Buchleben die Aktion alleine fort. 

Moin, aus Kiel. Bei Sheenas Creatic Bookworld habe ich von dieser schönen Aktion gelesen und mein SuB, er heißt Kabook, war sofort dafür, mitzumachen.

Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook und Print zählst)?

Zur Zeit, inklusive E-Books bin ich 6 Bücher hoch. Das ist relativ selten, ich habe deutlich abgenommen, aber wie ich Karin kenne, wird das nicht lange so bleiben.

Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig uns deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!

Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es ein SuB-Senior, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem(r) Besitzer:in gefallen (gerne mit Rezensionslink)?

Missing Page – Tödliche Worte von Katie Kento hat mich kürzlich verlassen. Karin hat es mit solcher Freude gelesen – sie hatte es sogar frisch gekauft -, dass sie gleich wollte, dass soviele wie möglich es lesen und hat es ihren Enkelinnen geschickt. Sie war so angetan von Katie Kentos Erzähltalent, dass sie umgehend den Vorgänger: Hotel Ambrosia (siehe oben) angeschafft hat.

Beschreibung: Beschreibung

Die 17-jährige Toni reist nach Schottland, um am Workshop eines Bestsellerautors teilzunehmen. In dem abgelegenen Herrenhaus eröffnet der kauzige Schriftsteller den Teilnehmenden: Er will dem größten Nachwuchstalent sein Vermögen vermachen! Die Jugendlichen stürzen sich in die Textarbeit. Doch während ein Sturm sie von der Außenwelt isoliert, geschehen rätselhafte Dinge: Das Personal verhält sich seltsam, jemand geistert durch die Gänge, und es kommt zu einem Einbruch. Schlafwandlerin Toni wird nachts von Albträumen geplagt – und als der Schreibkurs eine blutige Wendung nimmt, beginnen die Grenzen zwischen Traum und Realität zu verschwimmen …

Liebe:r SuB, zeig uns Bücher weiblicher Autorinnen, deren Werke Dein:e Besitzer:in bislang gerne gelesen hat!

Alle drei Bücher hat Karin mit Begeisterung gelesen und ist schon ganz aufgeregt, weil im Oktober ein neues Buch von R. F. Kuang kommt, die sie wohl besonders beeindruckend findet.

House of Ash and Shadow – Die goldene Stadt 1 von Leia Stone

Fallon ist 17 und verflucht. Wann immer sie jemand berührt, leidet sie unerträgliche Schmerzen. Sie ist ein Findelkind und lebt mit ihrem Pflegevater in einem kleinem Ort, in der Nähe der goldenen Stadt. In ihrem Dorf leben die Fae ohne Magie, während in der Stadt, die mit magischen Fähigkeiten residieren. Als ihr Pflegevater krank wird und ihm Kräutermedizin nicht mehr hilft, macht sie sich auf den Weg in die goldene Stadt, um Medizin und einen Heiler zu finden, der hilft, obwohl sie kein Geld haben. Hier trifft sie Ariyon, der nicht nur ihren Vater heilt, sondern der auch der Einzige ist, der sie berühren kann, ohne den Fluch auszulösen. Fallon entdeckt, dass sie nicht, wie vermutet, keine Magie hat, sondern im Gegenteil sehr viel, allerdings der Art, die sehr skeptisch beäugt wird: Nämlich dunkle! Es stellt sich heraus, dass sie die Tochter von Marissa Bane ist, die ihrerseits mittlerweile zur Königin der Nachtwandler geworden ist und einen Krieg gegen die goldene Stadt plant. Fallon gerät zwischen die Fronten, doch sie findet auch Freund:innen an der Akademie, wo man sie hingeschickt hat, um zu lernen ihre Kräfte zu kontrollieren.

House of Ash and Shadow – Die goldene Stadt 1, ist der Auftakt zu einer Trilogie (bis jetzt sind es drei) und ich habe es mit den leichten Vorbehalt gelesen und wurde sehr angenehm überrascht. Obwohl es die üblichen Elemente dieses Genres enthält, also Romance, Fluch, comming of Age, so hat es doch auch einen besonderen Touch. Einmal stellt es die Sozialen Probleme in einer Klassengesellschaft, sehr praktisch da. In dem Dorf, in dem Fallon aufwächst, gibt es kein Geld, sondern eine Tauschwirtschaft. Als sie in die goldene Stadt kommt, hat sie die Vorstellung, dass dort alle gleich luxuriös leben, doch weit gefehlt, auf der Ostseite leben die „Reichen“, der Adel, die alten Familie und auf der Westseite der Rest, der nicht das Glück hatte, sich die richtigen Eltern ausgesucht zu haben.

Ein Lesevergnügen mit genügend Stoff zum Nachdenken.

Übersetzt wurde das Buch von Michael Krug und erschienen ist es bei One – der Jugendsparte von Bastei Lübbe.

Der Mord an Maschinenmeister Roolfsen – der (wohl) älteste Krimi der Welt – von Maurits Christopher Hansen

Kongsberg in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Stadt des Silbers ist ein Mord geschehen. Der Maschinenmeister Roolfsen ist verschwunden. Zuletzt gesehen wurde er in der Wirtschaft von Hermann und Kirsti Haitler, deren Sohn Kjeld war mit Roolfsen überkreuz, weil die Pflegetochter der Wirtsleute, Karine, Roolfsen den Vorzug gab. In dunkler Nacht nun, nachdem Kjeld wilde Drohungen gegen seinen Konkurrenten ausgestoßen hat, ist Roolfsen verschwunden. Kjeld beteuert seine Unschuld, gibt aber zu, die Leiche entsorgt zu haben. In Verdacht geraten seine Eltern. Der Justiziar, Assessor Johannes Barth, der auch die Funktion eines Ermittlers hat, fällt es schwer in Kjeld den Schuldigen zu sehen, zu Mal sein Vorgesetzter der Oberbergmann, es sehr eilig hat die Schuld irgendjemanden in die Schuhe zu schieben und die Ermittlungen blockiert und durch seine Mauscheleien selbst in Verdacht gerät.
Der (wohl) älteste Krimi der Welt, wurde von seinem Verfasser Maurits Christopher Hansen als Kriminalanekdote bezeichnet. Was sehr gut passt. Die kurzen Abschnitte, die skurrilen Figuren und die zum Teil umwerfend komischen Szenen geben der Geschichte Tempo. Maurits Christopher Hansen (1794 -1852) hatte ein Talent dafür mit wenigen Worten prägnante Bilder zu erschaffen.
Ein großes Lob an die Übersetzerinnen Evelyn Dahlsrud und Gabriele Haefs, die diese Geschichte gefunden und übersetzt haben. Dank auch an den Rote Katze Verlag Lübeck, der solchen Projekten ein zu Hause gibt.

Der Mord an Maschinenmeister Roolfsen - der (wohl) älteste Krimi der Welt 
Autor: Maurits Christopher Hansen
Übersetzerinnen aus dem Norwegischen: Evelyn Dahlsrud und Gabriele Haefs
Verlag: Rote Katze Verlag, Lübeck
ISBN: 978-3-910563-44-5
Preis: 15,00 €

Mein Bruder Wolf von Lara Taveirne

Am 12. Dezember 2012 macht Wolf sich auf zum nördlichsten Ort Schwedens, um dort zu sterben. Zehn Jahre später beginnt seine Schwester, die Autorin, über seine Reise zu den Polarlichtern zu schreiben. Wolf hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Aufgebrochen ist er mit Jack Kerouacs «On the Road» und einem Moleskine Heft, in dem er seine Reise dokumentiert. Dieses Heft wird, mit seiner Leiche, fünf Monate später gefunden. Er hatte es in Plastik verpackt an seinem Körper. Eine Art Abschiedsbrief? Eine Dokumentation seines Weges zur Endstation? In der Retrospektive wird klar, dass Wolf seine Reise in den Tod bewusst geplant und gut vorbereitet hat. Nur eine Kleinigkeit klappt nicht. Er muss eine Station vor dem nördlichsten Punkt aussteigen, für eine Weiterfahrt hatte er kein Geld mehr.
Zehn Jahre später versucht Lara Taveirne, die Schwester, seinen Weg zu verfolgen. Versucht, zu verstehen, was nicht zu verstehen ist. Sie zeichnet dabei eine Geschichte ihrer Familie. Wolf war ein Nachzügler, zu den vier Geschwistern bestand ein großer Altersunterschied. Ein neugieriges, ewig fragendes Kind. Später ein 18-Jähriger, der Freunde hatte, der lustig sein konnte, der beliebt war und sich doch überflüssig in dieser Welt fühlte und unter den Polarlichtern sterben wollte.
Lara Taveirne folgt Bruder Wolf auf seiner Reise, sie erzählt von ihm, ohne zu werten, ohne dass Wut spürbar ist, nur Trauer. Es sind kurze Absätze, kleine Puzzlestücke eines viel zu kurzen Lebens und zehn Jahre der Trauer, die wohl nie vorbeigehen wird. Mit Wolfs Tagebuch macht sie sich auf die Reise.
Das Buch ist nicht sehr lang und doch habe ich Tage gebraucht, um es zu lesen, nicht weil es schlecht geschrieben wäre – ganz im Gegenteil –, sondern weil es mich tief berühn. rt hat und ich es immer wieder weglegen musste.
Abgesehen vom Text, ist das Buch wunderschön aufgemacht. Immer, wenn ich es aus der Hand legte, musste ich vorher über den Leinenumschlag mit den goldenen Sternen und dem Polarlicht streichen.

Mein Bruder Wolf
Autorin: Lara Taveirne
Übersetzerin aus dem Niederländischen: Lisa Mensing
Verlag: Eichborn
ISBN: 9783847902362
Preis: 24,00

Die schlafenden Hunde von Dublin von Ellen Dunne

Zum 5. Mal ist KHK Patsy Logan, die Frau der Stunde, zwischen München und Dublin am Ermitteln. Diesmal ist es sehr persönlich. Fergal Massey, ein alter Freund ihres Vaters und Pubbetreiber in München wurde in Dublin ermordet. Patsy Logan ist gerade nach ihrem Jahr Auszeit zurück in München, als sie davon erfährt, und steht gleich im Mittelpunkt der Ermittlungen, denn Fergal Massey hat vor seinem Tod ein Testament gemacht und sie zur Vollstreckerin ernannt. Mal ganz abgesehen davon, dass sie, ihre Mutter und ihre Geschwister den Hauptteil von Fergals Vermögen erben, ist dieser sehr viel wohlhabender ist, als jeder vermutet.
Kaum in München gelandet, befindet Patsy sich bereits wieder auf dem Rückflug nach Dublin, diesmal in Begleitung ihrer Mutter Ruth, die Massey die letzte Ehre erweisen will. Das will Patsy auch, aber nicht nur. Sie will wissen, was hinter Fergals Tod, dem merkwürdigen Testament und den Ecstasypillen aus den 90ern steckt, die in Fergals Münchener Wohnung gefunden wurden und sie hat hat so eine Ahnung, dass sie endlich erfahren könnte, was mit ihrem Vater, der 1993 in Irland verschwand, geschehen ist.
Fergal Massey, Arthur Logan und Mannix Sheridan, waren seit ihrer Schulzeit befreundet. Während Fergal und Arthur sich nach Deutschland absetzten heiratete Mannix Sheridan in eine der Dubliner Familien, die zu den großen Nummern des organisierten Verbrechens zählten. Gerade von ihm erwartet sich Patsy Antworten und stellt schnell fest, dass man riskiert, gebissen zu werden, wenn man schlafende Hunde weckt.
Auch das 5. Buch der Serie nimmt die Lesenden mit auf eine Tour de Force. Spannung, Emotionen, eine Protagonistin die sowohl tough, als auch verletzlich ist und ein Land dessen Vergangenheit bei Weitem nicht so vorbei ist, wie man meinen könnte. Dazu noch in einem Dublin, wie es Touristen nicht kennen. Das alles aufregend erzählt. Schon die ersten Seiten ziehen den Lesenden so in die Geschichte, dass es unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen.
«Unfollow Stella», der vierte Teil der Serie wurde mit dem Glauser Preis ausgezeichnet. Eine Ehre, die meiner Meinung nach auch «Die schlafenden Hunde von Dublin» verdienen.

Die schlafenden Hunde von Dublin
Autorin: Ellen Dunne
Verlag: Haymon Verlag
ISBN: 9783709979815
Preis: 14,95 €

Keine besonderen Auffälligkeiten von Sophie Sumburane

Anfang Oktober1989 in Deetz, ein kleiner Ort in Brandenburg. Ein Dorf, in dem man sich kennt und vertraut. Doch dann wird eine Frau ermordet und das Misstrauen sieht ein. Jeder beginnt, jeden zu verdächtigen, aber natürlich konnte es auch jemand aus dem Westen gewesen sein. Man wusste ja, in der DDR gab es so etwas nicht. So etwas geschah nur dort drüben. Und besonders jetzt wo sich so viel tat, wo die alten Sicherheiten wegbrachen, man sogar davon sprach, dass die Mauer fallen würde, konnte es doch sein, dass ein Westmörder sein Unwesen trieb.
Das ist die Ausgangssituation. Man geht von einer Einzeltat aus. Auch als ein weiterer Frauenmord geschieht, sieht man keinen Zusammenhang. Vieles ist dem Durcheinander des Umbruches geschuldet.
In Deetz leben zwei junge Frauen, Hedi und Gabi, beide 19 Jahre alt. Hedi und ihr Verlobter, der sie beschützen will und sie total einengt, gehen in den Westen. Gabi hingegen, Hedis beste Freundin seit Kindertagen, will den Mord in ihrem Dorf, nicht auf sich beruhen lassen. Sie ist entsetzt, dass es keinen wirklich zu interessieren scheint. Sie nimmt eine Stellung als Volontärin bei der Bildzeitung an, um mehr zu erfahren und um über diese Morde zu schreiben. Stellt aber schnell fest, dass man dort kein Interesse hat. Zwei alte Frauen ermordet, nicht sexy und die Leute lesen auch viel lieber, Asylantenhetze. Erst als die Frau und das Baby des russischen Chefarztes einer Klinik, in der Honecker behandelt wurde, ermordet aufgefunden wird, zeigt die Presse Interesse. Doch Gabi stellt schnell fest, dass es den Journalisten nicht darum geht zu helfen den Mörder dingfest zu machen, sondern um Schlagzeilen. Hier wird der Zynismus der Sensations-Berichterstattung deutlich und der Alltagssexismus in der Redaktion.

«Keine besonderen Auffälligkeiten» beruht auf dem Fall des Rosa Riesen, wie die Presse ihn nannte. Des letzten Serienmörders der DDR. Während ihrer Recherche wurde die Autorin von einem Kamerateam der Serie «Crime Time» der ARD begleitet. Hier der Link zur Doku.

https://www.ardmediathek.de/serie/rosa-riese-jagd-auf-ein-phantom/staffel-1/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9zZGIvc3RJZC8xODQx/1

Sophie Sumburane gelingt es Fakten und Fiktion, zu etwas Eigenem zu verweben. Vor allem gilt ihr Fokus nicht dem Täter, sondern den Opfern. Natürlich einmal den ermordeten Frauen, aber eben auch den peripheren, denen die verdächtigt wurden, den Hinterbliebenen und denen den durch die Angst, die umgeht, die Luft zum Atmen zu eng wird.
Auch wenn auf dem Buch Kriminalroman steht und es um die Aufklärung von Verbrechen geht, so ist es doch auch ein Blick auf das Zeitgeschehen.

Keine besondere Auffälligkeiten
Autorin: Sophie Sumburane
Verlag: Edition Nautilus
ISBN: 9783960544784
Preis: 20,00 €
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