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Wir werden Wind ernten von Gunnar Staalesen

Seit 1977 ist Gunnar Staalesens Privatermittler Varg Veum tätig. Ein ehemaliger Sozialarbeiter, der zum Ermittler wurde. Mittlerweile ist er ein wenig abgeklärter und geht seine Ermittlungen ruhiger an, als in den ersten Bänden. Auch privat ist Veum seit 11 Jahren fest vergeben und bald sollen die Hochzeitsglocken läuten. Karin, seine Liebste, ist es auch, die ihn mit Ranveig bekannt macht. Deren Mann gilt als vermisst und Veum soll ihn finden. Nicht jeder, mit dem er während der Ermittlungen spricht, ist gleichermaßen daran interessiert das Mons Maeland wieder auftaucht, denn in wenigen Tagen soll ein Areal, das Maelands Firma gehört, mit den Geldgebern für einen Windpark abgegangen werden. Ein Projekt, das nicht überall auf Begeisterung stößt.
Die Geschichte spielt 1998. Norwegens Wohlstand basiert auf dem Öl der Nordsee, doch das ist endlich und Windkraft scheint eine gute Investitionsmöglichkeit zu sein. Doch es gibt Widerstand. Kurios ist auf den ersten Blick, dass dieser auch aus den Reihen der Umweltschützer kommt, weniger überraschend, dass die dort ansässige evangelikalische Glaubengemeinschaft Gottes Natur ohne Strommasten und Windräder erhalten möchte. Aber auch in Maelands Familie ist man sehr geteilter Meinung. Sohn Kristoffer und Mons Gattin Ranveig sehen es als gute Investition, Tochter Else hingegen ist auf Seiten der Naturschützer … und Mons selber, hat angeblich seine Meinung geändert und will von dem Projekt Abstand nehmen.
Wie gesagt, die Geschichte spielt 1998, zu einer Zeit in der es bereits Handys gab, aber man den Täter oder die Täterin nicht einfach googeln konnte, wie es zu Smartphonezeiten manchmal scheint. Das Thema jedoch ist nach wie vor aktuell und wird es auch noch lange bleiben. Staalens Ermittler ist einer der nicht wertet. Seine persönliche Meinung bleibt außen vor, solange es nicht seinen ethischen Kompass berührt. Das ist sehr erfrischend. Mittlerweile war von Varg Veum in 20 Bänden zu lesen und es ist immer wieder eine Freude, wenn ein neuer Staalesen erscheint.
Wir werden Wind ernten
Originaltitel: Vi skal arve vinden
Autor: Gunnar Staalesen
Übersetzende: Gabriele Haefs und Nils Hinnerk Schulz
Verlag: Polar Verlag
ISBN: 9783910918528
Preis: 17,00 € broschiert / 11,99 € E-Book -
Ein schönes Kind von Monika Geier

Die Architektin Marlie ist happy. Sie hat den Traumjob gefunden. Szenenbildnerin fürs Fernsehen. Voller Elan geht sie ihre Aufgabe ein passendes Objekt für die neue Serie „Villa Rosa“ zu finden. Sie wird schnell fündig, eine wunderschöne Villa mit entsprechender Umgebung, in einem sehr kleinen Ort. Sie ist hingerissen, das Produktionsteam ist begeistert und alles könnte so schön sein. Wär da nicht das Gefühl, dass es in dem Haus spukt. Dass es eine dunkle Geschichte hat, erfährt sie schnell. Zwei Kinder sollen da ums Leben gekommen sein. Doch wieso glaubt sie mehr und mehr das Haus zu kennen? Kann es sein, dass sie schon einmal da war? Als sie nach einem Unfall im Krankenhaus landet, beschließt sie der Sache auf den Grund zu gehen …, ist sich aber gar nicht so sicher, ob das was sie entdecken wird, ihr gefällt. Denn es könnte ja sein, dass sie mehr Täterin als Opfer ist.
Was ist wirklich, was ist Fantasie? Wer erinnert was und was davon ist richtig? Das Spiel zwischen diesen Räumen, beherrscht Monika Geier meisterinnenhaft und sie zieht ihre Lesenden mit in das Gewebe der Geschichte. Jedesmal, wenn man glaubt, nun weiß man, wo es hingeht, kommt ein neuer Faden ins Gewebe. Manchmal nur ein ganz feiner und verändert das Muster. Es ist wie beim Drehen eines Kaleisdoskop. Also kurz gesagt, ein äußerst gelungenes Werk!
Ein schönes Kind
Autorin: Monika Geier
Verlag: Ariadne
ISBN 978-3-86754-285-2 · 368
Broschiert - 19,00 € -
The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro

Rainshadow City ist eine schöne Stadt, eine wohlhabende Stadt. In ihr konzentriert sich die gesamte Macht des Rainshadow Archipels. Rainshadow City zieht viele Menschen an und die meisten sind nicht erwünscht. Denn sie sind arm, sind aus ihrem alten Leben geflohen, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dort sie landen im Halbmond, einen durch bewachte Zäune abgegrenzten Küstenstreifen, in dem sich alles sammelt, wo die Lucky Crows, die beherrschende Gang der Stadt, Menschen verschwenden lässt, Kindern in die Minen schickt und den dort Gestrandeten, das Leben so schwer wie möglich macht … und ihre Fußsoldaten rekrutiert. Hier wurden die Waisenkinder Toshiko, Jun und Mai, von Reiko Kawakami aufgezogen, einfach eine gute Frau, die sich ihrer annahm, als ihre unterschiedlichen Eltern nicht mehr da waren. Als Reiko vom Anführer der Lucky Crows ermordet wird, gehen die Drei in den Untergrund und planen Rache. Mei, die älteste ist ein Computergenie, Jun hat Talente als Heiler und Verklediungskünstler und Toshiko ist die Kämpferin und das Nesthäcken der Familie.
Das prächtigste Gebäude der Stadt ist der Palast der Kaiserin und dort beginnt die Geschichte. Toshiko ist dort eingebrochen, um den Ring, eines der Anführer der Lucky Crows, mit einem Datenchip zu stehlen. Kaiserhaus und Crows arbeiten gut zusammen, wenn es ihren Interessen dient. Das geht schief und Toshiko bekommt zwar nicht den Ring, aber sie kann Ken Saito eine Perle entreißen und mit dieser wird es richtig spannend. Denn Saito und die eigentliche Chefin der Crows, die Sensei, brauchen die Perle für ihre Pläne. Um diese zu verwirklichen, haben sie sich sogar mit der Kaiserin verbündet, die allerdings auch eigene Pläne verfolgt.
Die weiteren Zutaten sind: Drachen, Sonnengeister, Bots und noch Menschen die im Elend zusammenhalten.
Rainsahdow Orphans ist der Auftakt zu einer Trilogie. Un was für ein furioser Beginn. Auf den ersten Blick denkt man vielleicht, wie sollen all diese Elemente zusammengehen. Doch sie gehen und sie verschmelzen zu einer sehr besonderen Geschichte, die die Probleme unserer Welt mit einbezieht. Die immer größer werdende Kluft zwischen arm und reich, Menschen auf der Flucht und eine zunehmende Technisierung.
Fazit: Unbedingte Leseempfehlung, ich warte schon voller Ungeduld auf Band 2 und 3.
Rainshadow Orphans
Autorin: Naomi Ishiguro
Übersetzerinnen: Alexandra Jordan, Heide Franck
Verlag: Eichborn
ISBN: 9783847902331
Preis 1. Auflage mit Farbschnitt: 24,00 € -
(Aktion) Mein SuB kommt zu Wort

Anna von *Annas Bücherstapel* hat 2016 eine neue Gemeinschaftsaktion ins Leben gerufen, die Vanessa von *Vanessas Literaturblog* und ich im August 2021 übernommen haben. Seit Mai 2025 führt Melli von Mellis Buchleben die Aktion alleine fort.
Moin, aus Kiel. Bei Sheenas Creatic Bookworld habe ich von dieser schönen Aktion gelesen und mein SuB, er heißt Kabook, war sofort dafür, mitzumachen.
Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook und Print zählst)?
Zur Zeit, inklusive E-Books bin ich 6 Bücher hoch. Das ist relativ selten, ich habe deutlich abgenommen, aber wie ich Karin kenne, wird das nicht lange so bleiben.
Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig uns deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!



Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es ein SuB-Senior, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem(r) Besitzer:in gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Missing Page – Tödliche Worte von Katie Kento hat mich kürzlich verlassen. Karin hat es mit solcher Freude gelesen – sie hatte es sogar frisch gekauft -, dass sie gleich wollte, dass soviele wie möglich es lesen und hat es ihren Enkelinnen geschickt. Sie war so angetan von Katie Kentos Erzähltalent, dass sie umgehend den Vorgänger: Hotel Ambrosia (siehe oben) angeschafft hat.
Beschreibung: Beschreibung
Die 17-jährige Toni reist nach Schottland, um am Workshop eines Bestsellerautors teilzunehmen. In dem abgelegenen Herrenhaus eröffnet der kauzige Schriftsteller den Teilnehmenden: Er will dem größten Nachwuchstalent sein Vermögen vermachen! Die Jugendlichen stürzen sich in die Textarbeit. Doch während ein Sturm sie von der Außenwelt isoliert, geschehen rätselhafte Dinge: Das Personal verhält sich seltsam, jemand geistert durch die Gänge, und es kommt zu einem Einbruch. Schlafwandlerin Toni wird nachts von Albträumen geplagt – und als der Schreibkurs eine blutige Wendung nimmt, beginnen die Grenzen zwischen Traum und Realität zu verschwimmen …
Liebe:r SuB, zeig uns Bücher weiblicher Autorinnen, deren Werke Dein:e Besitzer:in bislang gerne gelesen hat!



Alle drei Bücher hat Karin mit Begeisterung gelesen und ist schon ganz aufgeregt, weil im Oktober ein neues Buch von R. F. Kuang kommt, die sie wohl besonders beeindruckend findet.
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Der Mord an Maschinenmeister Roolfsen – der (wohl) älteste Krimi der Welt – von Maurits Christopher Hansen

Kongsberg in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Stadt des Silbers ist ein Mord geschehen. Der Maschinenmeister Roolfsen ist verschwunden. Zuletzt gesehen wurde er in der Wirtschaft von Hermann und Kirsti Haitler, deren Sohn Kjeld war mit Roolfsen überkreuz, weil die Pflegetochter der Wirtsleute, Karine, Roolfsen den Vorzug gab. In dunkler Nacht nun, nachdem Kjeld wilde Drohungen gegen seinen Konkurrenten ausgestoßen hat, ist Roolfsen verschwunden. Kjeld beteuert seine Unschuld, gibt aber zu, die Leiche entsorgt zu haben. In Verdacht geraten seine Eltern. Der Justiziar, Assessor Johannes Barth, der auch die Funktion eines Ermittlers hat, fällt es schwer in Kjeld den Schuldigen zu sehen, zu Mal sein Vorgesetzter der Oberbergmann, es sehr eilig hat die Schuld irgendjemanden in die Schuhe zu schieben und die Ermittlungen blockiert und durch seine Mauscheleien selbst in Verdacht gerät.
Der (wohl) älteste Krimi der Welt, wurde von seinem Verfasser Maurits Christopher Hansen als Kriminalanekdote bezeichnet. Was sehr gut passt. Die kurzen Abschnitte, die skurrilen Figuren und die zum Teil umwerfend komischen Szenen geben der Geschichte Tempo. Maurits Christopher Hansen (1794 -1852) hatte ein Talent dafür mit wenigen Worten prägnante Bilder zu erschaffen.
Ein großes Lob an die Übersetzerinnen Evelyn Dahlsrud und Gabriele Haefs, die diese Geschichte gefunden und übersetzt haben. Dank auch an den Rote Katze Verlag Lübeck, der solchen Projekten ein zu Hause gibt.Der Mord an Maschinenmeister Roolfsen - der (wohl) älteste Krimi der Welt
Autor: Maurits Christopher Hansen
Übersetzerinnen aus dem Norwegischen: Evelyn Dahlsrud und Gabriele Haefs
Verlag: Rote Katze Verlag, Lübeck
ISBN: 978-3-910563-44-5
Preis: 15,00 € -
Die Namen von Florence Knapp

Es ist 1987, Cora und Gordon haben ihr zweites Kind bekommen. Gordon, einerseits der beliebte Arzt, andererseits herrschsüchtig, gewalttätig und sadistisch seiner Frau gegenüber, will dass der Junge Gordon heißt, wie es Tradition in seiner Familie ist. Cora gefällt das nicht, sie ist für Julian, Maia die 9jährige Schwester plädiert für Bear, weil das Baby so kuschelig und weich aussieht. Das ist die Ausgangssituation. Ab hier verfolgt Florence Knapp, was geschähe, wenn Cora auf dem Amt nun den Namen Bear oder Julian oder Gordon eintrage ließe. Wie würden das Leben des Kindes, ganz zu schweigen das der gesamten Familie, verlaufen. Welchen Einfluss hätte der Name?
In Abständen von jeweils sieben Jahren, erzählt die Autorin die Geschichte der Familie. Dabei ist jeweils ein Strang, einem Namen zugeordnet. Was bleibt ist die Grundsituation: Cora, die von ihrem Mann gedemütigt und gequält wird. Maia, die mit neun Jahren Vorsprung zu ihrem Bruder, schon einiges davon mitbekommen hat. Dieses Spiel mit dem Einfluss eines Namens auf das Leben, ist der Autorin sehr gelungen. Nicht umsonst wurde „Die Namen“ allseits, als bester Debütroman gelobt.
„Die Namen“ ist eines von den Büchern, die einem noch lange beschäftigen. Denn außer den Namen, die die Personen tragen, spielt natürlich auch noch einiges andere eine entscheidene Rolle. Es ist ein „Was wäre wenn Spiel“ bei dem man automatisch an Situationen in der eigenen Lebensgeschichte zurückdenkt, in denen eine anscheinend kleine Entscheidung die Weichen neu stellte. Dabei liest es sich leicht und entwickelt sehr schnell eine Sogwirkung.
Die Namen
Autorin: Florence Knapp
Übersetzerin: Lisa Kögeböhn
Verlag: Eichborn
ISBN: 9783847902294
Preis: 24,00 € -
Tödliche Felder von Malin Thunberg Schunke

Ein neuer Fall für Fabia Moretti und Esther Edh von Eurojust. Vordergründig geht es darum einen rumänischen und zwei polnische Staatsbürger aufzufinden, von denen man zuletzt von einer der Tomatenplantagen in Italien gehört hat. Doch Corrado Sanna, von der italienischen Polizei, hat noch ein weiteres Anliegen und das hat einen Namen: Francesco Vitall. Bereits in einem anderen Fall ist haben sich ihre Wege gekreuzt, leider war es nicht möglich ihn dingfest zu machen oder ihm auch nur konkrete Verbindungen zur Camorra zu beweisen. Doch Vitali ist im Vorstand von Ecolofruit, eine der Plantagen, auf denen die verschwundenen Arbeiter zuletzt gesehen wurden. Es wird beschlossen einen Undercover Agenten einzuschleusen, der sich umhören soll. Dieser entdeckt nicht nur, die unmenschlichen Bedingungen, unter denen die Arbeiter dort leben. Die Menschen die dort schuften, werden wie Sklaven gehalten. Doch Tommasso, der Undercover Agent, entdeckt unter anderem, dass in dem Biobetrieb großzügig in der EU, und im Bioanbau erst recht, verbotetene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Diese Entdeckung bringt Tommass
Manchmal liest man einen Kriminalroman und denkt, ach nee, dass ist nun aber ein wenig weit hergeholt. Liest man die Bücher von Malin Thunberg Schunke, ist es umgekehrt, in dem Fall muss man sich immer einmal daran erinnern, dass es Fiktion ist. Fiktion gekonnt mit Fakten gepaart. Gerne mehr davon.
Tödliche Felder
Autorin: Malin Thunberg Schunke
Übersetzerin aus dem Schwedischen: Stefanie Werner
Verlag: Polar Verlag
ISBN: 9783910918443
Preis: 17,00 € -
Wir sind alle gleich, Monsieur – Eine Feministin erhebt Einspruch – Louise Dupin – Herausg: Rudolf von Bitter

Louise Dupins (1706 – 1799) Schrift „Gegen das Vorurteil von der Ungleichheit der Geschlechter“ wurde nicht zu ihren Lebzeiten veröffentlicht. Sie diktierte weite Teile einem gewissen Jean-Jaques Rosseau, der einige Zeit Sekräter im Hause Dupin war. Der Text wurde in den 50er Jahren bei einer Versteigerung seiner Handschriften entdeckt. Insgesamt soll das Werk an die 3000 Blätter umfassen. Für dieses, wie immer im Wagenbach Verlag, wunderschön aufgemachte Büchlein, hat Rudolf von Bitter Auszüge übersetzt und herausgegeben. Zu Wort kommen auch ihre Stief-Enkelin George Sand mit ihrem Text „Die Berühmheit in meiner Familie, Jean-Jaques Rosseau mit einem Auszug seiner „Bekenntnisse“ in dem er von seiner Zeit als Sekräter und Besucher des Salons von Louise Dupin erzählt. Zu diesen Besuchern gehörte ebenso Voltaire, der sich in seinem Sketch „Frauen, seid untertan euren Männer“ deutlich der Argumentation Louise Dupins bedient.
Louise Dupin war eine vielseitig interessierte Frau, sie war belesen, hoch gebildet und auch wissenschaftlich interessiert. In ihrem Text „Gegen das Vorurteil von der Ungleichheit der Geschlechter“ verzichtet sie darauf zu theoretisieren. Sie beginnt einfach und praktisch mit den körperlichen Unterschieden und damit, wie sehr die Argumention hinkt, dass diese eine wirkliche Rolle spielen. Sie bezieht sich auf ältere Texte in denen die angeblich geringere Intelligenz von Frauen behandelt wird und entkräftet sie, logisch und mit praktischen Beispielen. Zum Beipiel, dass Mädchen in der Regel keine umfassende Ausbildung erhalten.
Der Text ist 300 Jahre alt und beim Lesen stellen sich widersprüchliche Gedanken ein. Der eine: Ja, wir haben viel erreicht! Der andere: Es ist noch soviel zu tun! Es stimmt, dass es Frauen mittlerweile auf Vorstandsposten und in Machtpositionen schaffen, doch nur, wenn sie den patriachalischen Rahmen nicht in Frage stellen. Ungleiche Bezahlung und eine höhere Belastung in der Haus- und Pflegearbeit für Frauen, sind immer noch Tatsache.
Wir leben in einer Zeit, in der so viele Errungenschaften des Feminismus auf der Kippe stehen und gerade darum ist es gut, dass dieser Text von Louise Dupin, der sich übrigens sehr heutig liest, nun vorliegt.
Wir sind alle gleich, Monsieur - Eine Feministin erhebt Einspruch
Autorin: Louise Dupin
Weitere: George Sand, Jean-Jaques Rosseau, Voltaire
Herausgeber und Übersetzer: Rudolf von Bitter
Verlag: Wagenbach Edition: Salto
ISBN: 9783803113870
Preis: 22,00 € -
RED von Felicity McLean
Ruby McCoy – genannt Red – lebt mit ihrem Vater Sid in einem heruntergekommenen Haus an der Küste Victorias/Australien. Sid ist ein Träumer, immer voller verrückter Ideen, doch dummerweise nicht mit der Disziplin ausgestattet, auch nur eine von ihnen umzusetzen. Seine Pläne vom schnellen Reichtum kommen nie zu irgendwas. Red erlebt sehr schnell Polizeigewalt und Korruption. Sergeant Healy ist der Erzfeind der McCoys und irgendwann haben seine Versuche Sid in seine Machenschaften einzuspannen und ihn irgendwann in den Knast zu bekommen Erfolg. Es ist 1990 und Red ist fünfzehn, als das geschieht und als Healey versucht auch sie in seine Geschäfte einzuspannen, sinnt sie auf Rache.
Felicity McLean lässt Red ihre Geschichte aus der Gefängniszelle herauserzählen. Mit Red hat sie eine weibliche Ned Kelly Figur geschaffen. In dem Vorwort weist sie darauf hin, dass der ungewöhnliche Stil des Buches, ein Gedankenstrom fast ohne Interpunktion, eine Anlehnung an den Jerilderie-Brief ist, den Ned Kelly 1890 verfasste und in dem er die englischen Gesetze und die Korruption anklagte.
Es ist ein ungewöhnliches Buch und noch ungewöhnlicher für einen Krimi. Zuerst ist es ein wenig ungewöhnlich sich in dem Wortstrom ohne Punkt und Komma zurechtzufinden, doch denn reißt er einen mit.
RED
Autorin: Felicity McLean
Übersetzerin: Kathrin Bielefeld
Herausgeber: Jürgen Ruckh
Verlag: Polar
ISBN: 9783910918337
Preis: 17,00 € -
Sophie – Die Kaisermacherin von Michaela Baumgartner
Irgendwann war die Erzherzogin Sohpie, Gattin von Erzherzog Franz Karl und Mutter von Kaiser Franz Josef, mal ein Mädchen und eine Prinzessin in Bayern. Sie war ausgelassen, hatte ein liebevolles Elternhaus, ein lebenslanges gutes Verhältnis zu den Eltern und den meisten ihrer Geschwister. Aus Liebe Heirat sie Franz Karl nicht, sie macht sich auch keine Illusionen über seine geistigen Qualitäten, doch Sympathie ist da und so scheint es ihr kein allzu großes Opfer zu sein. Sie hingegen ist gebildet, politisch interessiert und nicht ohne Ehrgeiz. Da Kaiser Ferdinand, nicht die hellste Kirsche auf der Torte, denkbar ungeeignet ist, die Unruhen in Wien zu begegnen, wird er zurücktreten und eigentlich wäre nun Franz Karl sein Nachfolger und Sophie somit Kaiserin. Sie überredet ihren Gatten zu Gunsten Franz Josefs zurückzutreten und bleibt die graue Eminenz im Hintergrund. Das ändert sich, als dieser die 15 jährige Sisi, Sophies Nachte heiratet. Erst ist das Verhältnis ungetrübt, doch das ändert sich schnell. Sisi erweist sich nicht als so formbar, wie Sophie es sich erhofft hatte.
Michaela Baumgartner erzählt die Sophies Geschichte historisch korrekt, mit Brief- und Tagebuchfragmenten untermaut. Das Buch liest sich sehr flüssig, allerdings muss ich gestehen, dass ich es als Biografie vorgezogen hätte. Doch das ist natürlich Geschmackssache. Schön ist es, dass es mit Bild der herzlosen Schwiegermutter und dem süßlichen Sisi Klischee aufräumt.
Sophie - Die Kaisermacherin
Autorin: Michaela Baumgartner
Verlag: Gmeiner
ISBN: 9783839209059
Preis: 17,50 €















