Roman

Brockesstraße Beletage von Anette L. Dressler

Lübeck 1947, der Krieg ist seit zwei Jahren vorbei, aber immer noch herrscht Nahrungsmittel- und Wohnungsknappheit. So kommt die Kriegerwitwe Frieda Markuweit via Einquatierung zu Alma Curtz in die Brockesstraße. Letzere hat vor dem Krieg mit ihrem Mann einen Kurzwarenladen betrieben und ist nun, als Witwe, wenig begeistert, zwangsweise eine Mitbewohnerin zu bekommen. Doch mit der Zeit lernen die beiden sehr unterschiedlichen Frauen sich schätzen.

Anette L. Dressler fängt die Stimmung im Nachkriegs Lübeck zwischen Kriegstrauma und Aufbauhoffnung sehr gut ein und ist historisch sicher. Es entsteht ein plastisches Bild der Stadt und der Menschen zu dieser Zeit. Die Autorin, lässt nicht nur die beiden Protagonistinnen, auf die sie abwechselnd den Blick richtet, lebendig werden, sondern nutzt auch die Nebenfiguren, wie etwa Almas Freundin Leni, um bildhaft zu machen, wie es gehen kann, wenn nicht der geliebte Ehemann aus der Gefangenschaft zurückkehrt, sondern ein durch das Erlebte zum Fremden gewordener vor der Tür steht.

Ein manchen Stellen hätte ich dem Buch einen wärmeren Erzählstil gewünscht, zum Beispiel dann, wenn die Autorin erklären will, welche sprachlichen Unterschiede es zwischen Ostpreußen und Schleswig-Holstein bestehen oder bei einigen historischen Erklärungen, die an einigen Stellen sehr gewollt in den Text einfließen.

Brockesstraße Beletage
Autorin: Anette L. Dressler
Verlag: STROUX edition
ISBN: 978-3-948 065298
Preis: 24,00 €

Karin Braun - liest und bloggt gerne über das Gelesene, schreibt und übersetzt so dann und wann. Kurz: Sie macht was mit Büchern!

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