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Wir sind alle gleich, Monsieur – Eine Feministin erhebt Einspruch – Louise Dupin – Herausg: Rudolf von Bitter

Louise Dupins (1706 – 1799) Schrift „Gegen das Vorurteil von der Ungleichheit der Geschlechter“ wurde nicht zu ihren Lebzeiten veröffentlicht. Sie diktierte weite Teile einem gewissen Jean-Jaques Rosseau, der einige Zeit Sekräter im Hause Dupin war. Der Text wurde in den 50er Jahren bei einer Versteigerung seiner Handschriften entdeckt. Insgesamt soll das Werk an die 3000 Blätter umfassen. Für dieses, wie immer im Wagenbach Verlag, wunderschön aufgemachte Büchlein, hat Rudolf von Bitter Auszüge übersetzt und herausgegeben. Zu Wort kommen auch ihre Stief-Enkelin George Sand mit ihrem Text „Die Berühmheit in meiner Familie, Jean-Jaques Rosseau mit einem Auszug seiner „Bekenntnisse“ in dem er von seiner Zeit als Sekräter und Besucher des Salons von Louise Dupin erzählt. Zu diesen Besuchern gehörte ebenso Voltaire, der sich in seinem Sketch „Frauen, seid untertan euren Männer“ deutlich der Argumentation Louise Dupins bedient.
Louise Dupin war eine vielseitig interessierte Frau, sie war belesen, hoch gebildet und auch wissenschaftlich interessiert. In ihrem Text „Gegen das Vorurteil von der Ungleichheit der Geschlechter“ verzichtet sie darauf zu theoretisieren. Sie beginnt einfach und praktisch mit den körperlichen Unterschieden und damit, wie sehr die Argumention hinkt, dass diese eine wirkliche Rolle spielen. Sie bezieht sich auf ältere Texte in denen die angeblich geringere Intelligenz von Frauen behandelt wird und entkräftet sie, logisch und mit praktischen Beispielen. Zum Beipiel, dass Mädchen in der Regel keine umfassende Ausbildung erhalten.
Der Text ist 300 Jahre alt und beim Lesen stellen sich widersprüchliche Gedanken ein. Der eine: Ja, wir haben viel erreicht! Der andere: Es ist noch soviel zu tun! Es stimmt, dass es Frauen mittlerweile auf Vorstandsposten und in Machtpositionen schaffen, doch nur, wenn sie den patriachalischen Rahmen nicht in Frage stellen. Ungleiche Bezahlung und eine höhere Belastung in der Haus- und Pflegearbeit für Frauen, sind immer noch Tatsache.
Wir leben in einer Zeit, in der so viele Errungenschaften des Feminismus auf der Kippe stehen und gerade darum ist es gut, dass dieser Text von Louise Dupin, der sich übrigens sehr heutig liest, nun vorliegt.
Wir sind alle gleich, Monsieur - Eine Feministin erhebt Einspruch
Autorin: Louise Dupin
Weitere: George Sand, Jean-Jaques Rosseau, Voltaire
Herausgeber und Übersetzer: Rudolf von Bitter
Verlag: Wagenbach Edition: Salto
ISBN: 9783803113870
Preis: 22,00 € -
Die Schnellimbissdetektivin von Liza Cody
Hannah Abrahms ist Ex-Polizistin. Ex, weil sie ihren Sergant in einen Kanal geschubst hat. Seitdem versucht sie sich als Privatdetektivin mit kleinen Fällen, wie verschwundenen Hunden, streunenden Ehemänner und aus Kleingärten verschwundenem Gemüse, zu etablieren. Über Wasser hält sie sich, mit ihrer Arbeit in der Sandwich Shak, einem Imbiss in Südlondon, einen Job den sie hasst. An einer Stelle meint sie, dass sie mit Digby, dem Besitzer, die ehrlichste Beziehung hat, da sie sich beiden verabscheuen. So kündigt sie oder er sie mit schöner Regelmäßigkeit. Da der Zeitpunkt der Geschichte zu Covidzeiten ist, kommt das noch erschwerend hinzu.
Hannah hat eine katastrophal gescheiterte Beziehung hinter sich, ist pleite, lebt bei einem lesbisch, militant veganen Paar zur Untermieter, die sie eigentlich nicht im Haus wollen und wo sie eigentlich nicht sein will. Sie hängt dazwischen und wütend. Hannah ist einerseits taff und arbeitet hart, so ist sie dankbar für jeden Fall und tut ihr Bestes. Bei all ihrer Rotzigkeit wünscht sie sich derartig geliebt und akzeptiert, schlicht gesehen zu werden, dass sie sich schon mal in der Beurteilung ihrer Mitmenschen vertut. So in Carl, der nette 80zig-jährige, der ihr einen einfachen Auftrag erteilt, aber leider vergessen hat so einiges zu erwähnen, was ihr eine Stalkerin beschert. Oder Mark, der Charmbolzen, mit dem sich eine Geschäftsbesprechung wie ein Date anfühlt, der aber anscheinend die eine oder andere Leiche im Keller hat.
Liza Codys Krimis sind nie simple „Who dunnit’s?“. Ihre Protagonistinnen sind keine Superfrauen. In Lady Bag wird eine Obdachlose zur Detektivin und hier eine junge Frau, die in der Metropolitian Police Opfer von struktureller sexueller Gewalt wurde, die ihr auch im täglichen Leben immer wieder begegnet. Hannah, die sich tough und unberührbar gibt, ist sich sehr bewusst, wie dünn ihre Sicherheitsdecke ist. Es herrscht eine Wirtschaftskrise und die Schere zwischen arm und reich klafft im Post-Brexit London jeden Tag weiter auseinander. Auf der einen Seite ist da das Straßenkind BZee, das von Hannah und einigen Kleingärtnern durchgefüttert wird und auf der anderen Seite ihre Vermieterinnen, die ihren Veganismus zur Religion machen und auf die herabsehen, die sich das nicht leisten können.
Fazit: Unbedingt Lesenswert!
Die Schnellimbissdetektivin
Autorin: Liza Cody
Übersetzerin: Iris Konopik
Verlag: Ariadne
ISBN: 978-3-86754-275-3
Preis: 18,00 € -
Das Verschwinden von Sandra Newman
Eine Welt ohne Männer! Sandra Newman stellt sich in „Das Verschwinden“ genau das vor. In ihrem Roman verschwinden sämtliche Y-Chromosom-Träger plötzlich und lassen teils ratlose, teils traurige und viele feiernde Frauen zurück. Eine die nicht so richtig weiß, ob sie trauern oder feiern soll ist Jane Pearson, aber sie will trotz ihrer Ambivalenz ihren Mann und Sohn wiederhaben und sie glaubt zu wissen, wer ihr helfen könnte. Evangeline Moreau, die Anführerin einer politischen Bewegung, mit der sie auf dem College befreundet war. Als die Beiden aufeinandertreffen verliert Jane für kurze Zeit ihr Ziel die Männer zurückzuholen aus den Augen und widmet sich dem Aufbau einer neuen, einer feministischen Gesellschaft. Doch dann tauchen Videos auf, die Männer in einer surrealen Welt zeigen und immer mehr werden von ihren Frauen und Müttern erkannt. Dann entdeckt Jane eine Möglichkeit die Männer zurückzuholen.
„Das Verschwinden“ habe ich nicht ohne ein gewisses Befremden gelesen und war trotzdem gefesselt. Sandra Newman erzählt hier nicht nur die Geschichte von Evangeline und Jane, sondern richtet den Scheinwerfer auf verschiedene Frauen, die aus unterschiedlichen Verhältnissen kommen. Insgesamt lässt Sandra Newman die männerlose Welt recht schlüssig entstehen und doch hätte ich mir mehr Mut zur Veränderung, zum Beipsiel in den hierachischen Strukturen gewünscht.
Das Verschwinden
Autorin: Sandra Newman
Übersetzerin: Milena Adam
Verlag: Eichborn
ISBN: 9783847901327
Preis: 24,00 €





