Roman

Yesteryear von Caro Claire Burke


Schaut man in Natalies Instagram-Stream tut man es entweder mit nostalgisch verklärten Blick oder mit leisen Grauen, das schnell zur Wut wird. Ein altes Farmhaus in idyllischer Umgebung, schöne Fotos von den dekorativen Kinder, dem ebenfalls dekorativen Mann, der wunderschön eingerichteten Küche, die Hühner und allem was ein Landleben so ausmacht. Mittendrin Natalie, immer ein Lächeln und ein Dankgebet auf dem Lippen, für das Geschenk ihrer Familie, der Farm und die rustikale Art zu leben. Der Begriff Tradwife, der immer mal in den Kommentaren auftaucht, stößt ihr arg sauer auf. Denn was spricht dagegen eine traditionelle Frau zu sein? Eine die fröhlich die Arbeiten des Tages erledigt, dabei eine muntere Schar Kinder in die Welt setzt, die zu Hause unterrichtet werden, mal ganz zu schweigen vom perfekten Sauerteigansatz, denn natürlich backt sie auch ihr Brot selbst. So scheint es bei Instagram, doch hinter den Kulissen wird die Farm nicht von Caleb, sondern Hilfsarbeitern mehr schlecht als recht betrieben, die Kinder werden von zwei Nannys betreut und die gute Natalie ist bei weitem nicht so nett, wie es durch die Instagramfilter scheint. Doch um weiter die Mär vom rustikalen Leben (Waschmaschine, Microwelle und allerlei andere kleine Helfer sind versteckt hinter der Holzverkleidung) aufrecht zu erhalten, sollen ihre Videos professioneller werden und sie stellt eine Produzentin ein. Ein Schritt in die falsche Richtung …

Caro Claire Burke greift in Yesteryear eine wichtige Entwicklung auf, das Thema Tradwife oder die zunehmende Tendenz, besonders in den USA, Frauen zurück an den Herd und die Kinderstube zu verbannen. Yesteryear wird ausschließlich aus Natalies Perspektive erzählt, was, da die eigentlich nur um sich selbst kreist, alle um sie herum sehr eindimensional erscheinen lässt. Doch auch wenn man versucht, das außer Acht zu lassen, so wird einem keiner der Charaktere so richtig sympathisch.

Die erste Hälfte des Buches, habe ich in einem Rutsch durchgelesen und war sehr angetan von der Ironie und der Skrupellosigkeit, mit der die Autorin ihre Protagonistin ausgestattet hat. Mit der zweiten Hälfte ging es sehr viel zäher voran, da die Geschichte immer unglaubwürdiger wurde. Das gilt besonders für die Auflösung von Natalies Erwachen in einer sehr viel rustikaleren Zeit. Auch wurde der Lesefluss immer mal wieder von dem Gedanken: ‚So blöd können nicht mal die sein!‘ gestört.

Yesteryear
Autorin: Caro Claire Burke
Übersetzt von: Dietland Falk und Lisa Kögeböhn
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-27535-5
Preis: 24,00 €

Mein Name ist Karin Braun, lebe in Kiel, arbeite als Autorin, Herausgeberin, Literatourbloggerin und Übersetzerin - also kurz: ich mach was mit Worten.

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