Das Haus über dem Fjord von Kristin Valla

Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt Elin in ihren Geburtsort zurück um das Haus aufzulösen und zu verkaufen. Es wird eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit, auf der sie erkennt, dass bei weitem nicht alles so war, wie es ihr damals erschien. Mittlerweile lebt sie in Oslo, ist Journalistin für ein Modemagazin und denkt, sie hätte sich von dem kleinen Ort an der nordnorwegischen Küste und von dem Haus über dem Fjord gelöst. Doch auch das ist nicht ganz so, wie sie vermutet. Ihre ganze Jugend war von einem dramatischen Ereignis überschattet. An einem Tag wurden ihr Vater und ihre Brüder von einem Erdrutsch verschüttet und ihre Mutter versank in Trauer.

Das Haus über dem Fjord ist der dritte Roman von Kristin Valla und die Autorin weiß eine Geschichte aufzubauen und zu erzählen. Der Aufbau ist einfach und überschaubar. Es gibt Rückblenden in die Vergangenheit, die mit dem abgeglichen werden, was Elin während ihres Aufenthaltes und ihrer Suche erfährt. Doch das Buch hat auch ein Manko. Im letzten Viertel, Elins Nachforschung über die Vergangenheit ihres Vaters, haben sie in ein französisches Dorf geführt, und ab hier beginnt Kristin Valla die Geschichte zu überfrachten. Hätte sie der Versuchung widerstanden, diesen Twist einzufügen, wäre es ein rundherum gelungenes Werk geworden.

Das Haus über dem Fjord

Roman
OT: Ut av det blå
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen

320 Seiten

ISBN: 978-3-86648-649-2

Erscheinungsdatum: 20.09.22

Wütende Bärin von Ingebjørg Berg Holm

Njål hat sich von Sol getrennt, die Mutter werden wollte, aber es nicht konnte. Nach Sol war er mit Nina zusammen, die nie Mutter werden wollte, es aber wurde. Nach Lottas Geburt versank sie in eine postnatale Depression, Njål verließ sie und nahm Lotta mit. Während es zwischen Nina und Njål zu einem Rosenkrieg vom Feinsten kommt, kommen sich Njål und Sol wieder näher. Alle drei wollen eines: Lotta!

Diese sehr spannende Geschichte lässt sich nur schwer beschreiben, denn die Verwicklungen sind schon komplex. Da ist einmal Nina, von Beruf Glaciologin, die nicht nur mit Njål um das Sorgerecht für ihre Tochter kämpft, sondern auch darum, wer von ihnen ein Forschungsprojekt auf Spitzbergen betreuen darf. Nina ist verletzlich, sehnt sich nach ihrer Tochter, kann aber im Grunde nicht viel mit ihr anfangen. Während Njål sie als unfähige, wenn nicht sogar für das Kind gefährliche Mutter darstellt, beschuldigt sie ihn indirekt des Kindesmissbrauchs.

Njål wiederum etabliert sich als Supervater. Überhaupt hat er so ein vertracktes Ding damit laufen, sein Sperma zu verteilen, da er, wie er öfters betont „nicht so ein Mann ist“ geht er nicht fremd, sondern spendet großzügig bei einer Samenbank. Überhaupt betont er gerne, dass er nicht so ein Mann ist. Meistens dann, wenn er gerade etwas getan hat, was „so ein Mann“ tun würde.

Sol nun ist Pastorin, allerdings ohne von sich zu behaupten Christin zu sein. Sie und Njål waren lange zusammen, verheiratet und haben mehrfach versucht ein Kind zu bekommen, doch es gab nur Fehlgeburten, was Sol schließlich in eine Depression abgleiten ließ und Njål zu Nina führte. Als sich nach der Trennung von Nina wieder zusammenkommen, kümmert sie sich um Lotta. Doch nachdem sie schwanger wird und sich entschließt, das Kind trotz Behinderung zu bekommen, verlässt Njål sie erneut und Nina und er wollen es noch einmal versuchen und auch gemeinsam das Forschungsproejkt auf Spitzbergen angehen.

Alle drei Personen, aus deren jeweiligen Perspektive die Geschichte erzählt wird, eint im Grunde nur eines. Sie wollen Lotta für sich haben und dafür gehen sie sehr weit.

Wütende Bärin ist kein typischer Thriller, aber ganz sicher ein spannendes, vielschichtiges Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

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