Der ostdeutsche Mann – Eine soziokulturelle Selbsterkundung von Ralph Gerstenberg

Nachrichten und Zeitungen, sowie jeder der sich berufen fühlt, bestätigt ja gerne das Klischee des ostdeutschen Mannes. Also das des rot-schwarz-goldene Mütze tragenden, Bierbauch vor sich herschiebenden AFD Wählers mit Vokuhila und sexueller Frustierung, weil im Osten ja Frauenknappheit herrscht. Ralph Gerstenberg, in Ostberlin geboren und aufgewachsen, hat sich nun der Frage angenommen, wie schief das Bild ist. Vor allen, treffen diese Klischees nur auf den ostdeutschen Mann zu. Rechts wählende Prolls gibt es doch auch im Westen … nur kommen die halt nicht so vor, in der Medienwelt: Doch wie ist er denn nun so, der ostdeutsche Mann? In wie fern, macht ihn seine ostdeutsche Sozialisierung zu dem wie er gesehen wird? Und kann man überhaupt, 37 nach Mauerfall, noch von DDR geprägten Aufwachsen sprechen?
Alles wichtige Fragen, denen Ralph Gerstenberg in seinem Essay kompetent und kritisch nachgeht. Eine Frage, die mir beim Lesen des Textes kam, die auch der Autor anspricht, kann dieses draufknüppeln auf Ostdeutsche, die gerne so dargestellt werden, als gäbe es diesen Rechtsruck nur bei ihnen und nicht weltweit, darin begründet liegen, dass Osten im westlichen Verständnis gerne als schlecht dargestellt wird. In meiner Kindheit und Jugend, wurden Geschenke von Verwandten aus der DDR gerne ein wenig herablassend belächelt und die dadrüben mit, die haben ja nichts geleistet, guck dir nur mal ihre Autos an, abgetan. Also, so in dem Ton. Nach der Wende dann, wurde es ja auch nicht besser. Unsere Brüder und Schwester, die wir ja immer so gerne umarmen und ins Paradies des Konsums führen wollten, wurden eher wie die arme Verwandschaft behandelt. Stichwort: Treuhand! Vielleicht liegt darin ein Grund. Eines ist mir klarer denn je geworden, seit ich Der ostdeutsche Mann gelesen habe: Klischees müssen hinterfragt und aufgelöst werden.
Der ostdeutsche Mann
Autor: Ralph Gerstenberg
Verlag: Carl Auer Verlag
ISBN: 978-3-8497-0659-3
Preis: 9,99 €

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