Katabasis von R. F. Kuang
Was macht man, wenn man seinen Professor durch ein nachlässig gezeichnetes Pentagramm explodieren lassen hat, ihn aber für den Abschluss in Analytischer Magie dringend braucht? Für Alice Law keine Frage: Man folgt ihm in die Hölle und bringt ihn zurück! Alice macht also einen Schnellkurs in Tartarismus, ist bereit den Preis, die Hälfte ihrer Lebenszeit, zu zahlen und macht sich mit Dante und Vergil gerüstet auf. Die waren schließlich schon dort und haben es zurück geschafft. Allerdings bekommt sie in letzter Minute einen Reisegefährten: Peter Murdoch, Überflieger, ebenfalls Doktorant bei Jakob Grimes und Alice Konkurrent um dessen Gunst.
Alice und Peter stellen schnell fest, dass sich ihr Wissen über die Hölle und ihre Regeln ergänzt, diese aber doch noch so einige Überraschungen in Petto hat. Prof. Grimes finden sie nicht so schnell wie gehofft, doch sie lernen sich besser kennen und erkennen, dass ihre Vorstellungen von einander weit von der Realität abweichen und wie sehr Grimes, ein ziemliches Ungeheuer, sie gegeneinander ausgespielt hat. Je besser sie sich kennenlernen, je mehr wird Alice Idol, eben jener Professor Jakob Grimes, von seinem Sockel gestürzt.
Alice wird bewusst, welchen Preis sie bezahlt hat, um in Cambridge, bei dieser Koryphäe, ihren Abschluss zu machen und bezweifelt mehr und mehr, dass es das wert war. Übermenschliche Arbeitsbelastung, Sexistische Übergriffe, Beleidigungen und ein Reglement, dass es unmöglich machen sich zu beschweren. Täte sie das, würde es Grimes eine leichte Abmahnung einbringen, sie aber ihre Karriere kosten.
Bereits in Babel hat sich R. F. Kuang einer Hochschule gewidmet und einen existieren Ort mit einem fantastischen Spiegelbild versehen. Damals war das Thema Rassismus und Englands Kolonialismus. Diesmal ist es persönlicher. Ihr fiktives Cambridge ist ein Ort, an dem Magie erforscht wird und der einiges von seinen Studendierenden an Unterordnung und Arbeitsaufwand verlangt. Es ist eine patriachal geprägte Ordnung und Alice, wie viele andere ihrer Generation, macht sich eher über die Feministinnen lustig und denkt, dass doch alles an Gleichstellung erreicht ist. Ein weiteres Trugbild, was ihr genommen wird.
Fazit: Ein Buch an dem alles stimmt! Eine spannende, originelle Geschichte und Protagonist:innen, die man abwechsel in den Arm nehmen und schütteln möchte. Das Buch ist wunderschön aufgemacht. Ich bin schon so gespannt, was R. F. Kuang als nächstes schreibt. Zum Glück sind ihrer Bücher derart, dass man sie ohne weiteres zwei oder auch dreimal lesen möchte und immer noch etwas neues entdeckt.
Katabasis
Autorin: R. F. Kuang
Übersetzt von Alexandra Jordan & Heide Franck
Verlag: Eichborn
ISBN: 9783847902164
Preis: 28,00
