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    Der Mord an Maschinenmeister Roolfsen – der (wohl) älteste Krimi der Welt – von Maurits Christopher Hansen

    Kongsberg in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Stadt des Silbers ist ein Mord geschehen. Der Maschinenmeister Roolfsen ist verschwunden. Zuletzt gesehen wurde er in der Wirtschaft von Hermann und Kirsti Haitler, deren Sohn Kjeld war mit Roolfsen überkreuz, weil die Pflegetochter der Wirtsleute, Karine, Roolfsen den Vorzug gab. In dunkler Nacht nun, nachdem Kjeld wilde Drohungen gegen seinen Konkurrenten ausgestoßen hat, ist Roolfsen verschwunden. Kjeld beteuert seine Unschuld, gibt aber zu, die Leiche entsorgt zu haben. In Verdacht geraten seine Eltern. Der Justiziar, Assessor Johannes Barth, der auch die Funktion eines Ermittlers hat, fällt es schwer in Kjeld den Schuldigen zu sehen, zu Mal sein Vorgesetzter der Oberbergmann, es sehr eilig hat die Schuld irgendjemanden in die Schuhe zu schieben und die Ermittlungen blockiert und durch seine Mauscheleien selbst in Verdacht gerät.
    Der (wohl) älteste Krimi der Welt, wurde von seinem Verfasser Maurits Christopher Hansen als Kriminalanekdote bezeichnet. Was sehr gut passt. Die kurzen Abschnitte, die skurrilen Figuren und die zum Teil umwerfend komischen Szenen geben der Geschichte Tempo. Maurits Christopher Hansen (1794 -1852) hatte ein Talent dafür mit wenigen Worten prägnante Bilder zu erschaffen.
    Ein großes Lob an die Übersetzerinnen Evelyn Dahlsrud und Gabriele Haefs, die diese Geschichte gefunden und übersetzt haben. Dank auch an den Rote Katze Verlag Lübeck, der solchen Projekten ein zu Hause gibt.

    Der Mord an Maschinenmeister Roolfsen - der (wohl) älteste Krimi der Welt 
    Autor: Maurits Christopher Hansen
    Übersetzerinnen aus dem Norwegischen: Evelyn Dahlsrud und Gabriele Haefs
    Verlag: Rote Katze Verlag, Lübeck
    ISBN: 978-3-910563-44-5
    Preis: 15,00 €
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  • Roman

    Mein Bruder Wolf von Lara Taveirne

    Am 12. Dezember 2012 macht Wolf sich auf zum nördlichsten Ort Schwedens, um dort zu sterben. Zehn Jahre später beginnt seine Schwester, die Autorin, über seine Reise zu den Polarlichtern zu schreiben. Wolf hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Aufgebrochen ist er mit Jack Kerouacs «On the Road» und einem Moleskine Heft, in dem er seine Reise dokumentiert. Dieses Heft wird, mit seiner Leiche, fünf Monate später gefunden. Er hatte es in Plastik verpackt an seinem Körper. Eine Art Abschiedsbrief? Eine Dokumentation seines Weges zur Endstation? In der Retrospektive wird klar, dass Wolf seine Reise in den Tod bewusst geplant und gut vorbereitet hat. Nur eine Kleinigkeit klappt nicht. Er muss eine Station vor dem nördlichsten Punkt aussteigen, für eine Weiterfahrt hatte er kein Geld mehr.
    Zehn Jahre später versucht Lara Taveirne, die Schwester, seinen Weg zu verfolgen. Versucht, zu verstehen, was nicht zu verstehen ist. Sie zeichnet dabei eine Geschichte ihrer Familie. Wolf war ein Nachzügler, zu den vier Geschwistern bestand ein großer Altersunterschied. Ein neugieriges, ewig fragendes Kind. Später ein 18-Jähriger, der Freunde hatte, der lustig sein konnte, der beliebt war und sich doch überflüssig in dieser Welt fühlte und unter den Polarlichtern sterben wollte.
    Lara Taveirne folgt Bruder Wolf auf seiner Reise, sie erzählt von ihm, ohne zu werten, ohne dass Wut spürbar ist, nur Trauer. Es sind kurze Absätze, kleine Puzzlestücke eines viel zu kurzen Lebens und zehn Jahre der Trauer, die wohl nie vorbeigehen wird. Mit Wolfs Tagebuch macht sie sich auf die Reise.
    Das Buch ist nicht sehr lang und doch habe ich Tage gebraucht, um es zu lesen, nicht weil es schlecht geschrieben wäre – ganz im Gegenteil –, sondern weil es mich tief berühn. rt hat und ich es immer wieder weglegen musste.
    Abgesehen vom Text, ist das Buch wunderschön aufgemacht. Immer, wenn ich es aus der Hand legte, musste ich vorher über den Leinenumschlag mit den goldenen Sternen und dem Polarlicht streichen.

    Mein Bruder Wolf
    Autorin: Lara Taveirne
    Übersetzerin aus dem Niederländischen: Lisa Mensing
    Verlag: Eichborn
    ISBN: 9783847902362
    Preis: 24,00
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  • Krimi

    Die schlafenden Hunde von Dublin von Ellen Dunne

    Zum 5. Mal ist KHK Patsy Logan, die Frau der Stunde, zwischen München und Dublin am Ermitteln. Diesmal ist es sehr persönlich. Fergal Massey, ein alter Freund ihres Vaters und Pubbetreiber in München wurde in Dublin ermordet. Patsy Logan ist gerade nach ihrem Jahr Auszeit zurück in München, als sie davon erfährt, und steht gleich im Mittelpunkt der Ermittlungen, denn Fergal Massey hat vor seinem Tod ein Testament gemacht und sie zur Vollstreckerin ernannt. Mal ganz abgesehen davon, dass sie, ihre Mutter und ihre Geschwister den Hauptteil von Fergals Vermögen erben, ist dieser sehr viel wohlhabender ist, als jeder vermutet.
    Kaum in München gelandet, befindet Patsy sich bereits wieder auf dem Rückflug nach Dublin, diesmal in Begleitung ihrer Mutter Ruth, die Massey die letzte Ehre erweisen will. Das will Patsy auch, aber nicht nur. Sie will wissen, was hinter Fergals Tod, dem merkwürdigen Testament und den Ecstasypillen aus den 90ern steckt, die in Fergals Münchener Wohnung gefunden wurden und sie hat hat so eine Ahnung, dass sie endlich erfahren könnte, was mit ihrem Vater, der 1993 in Irland verschwand, geschehen ist.
    Fergal Massey, Arthur Logan und Mannix Sheridan, waren seit ihrer Schulzeit befreundet. Während Fergal und Arthur sich nach Deutschland absetzten heiratete Mannix Sheridan in eine der Dubliner Familien, die zu den großen Nummern des organisierten Verbrechens zählten. Gerade von ihm erwartet sich Patsy Antworten und stellt schnell fest, dass man riskiert, gebissen zu werden, wenn man schlafende Hunde weckt.
    Auch das 5. Buch der Serie nimmt die Lesenden mit auf eine Tour de Force. Spannung, Emotionen, eine Protagonistin die sowohl tough, als auch verletzlich ist und ein Land dessen Vergangenheit bei Weitem nicht so vorbei ist, wie man meinen könnte. Dazu noch in einem Dublin, wie es Touristen nicht kennen. Das alles aufregend erzählt. Schon die ersten Seiten ziehen den Lesenden so in die Geschichte, dass es unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen.
    «Unfollow Stella», der vierte Teil der Serie wurde mit dem Glauser Preis ausgezeichnet. Eine Ehre, die meiner Meinung nach auch «Die schlafenden Hunde von Dublin» verdienen.

    Die schlafenden Hunde von Dublin
    Autorin: Ellen Dunne
    Verlag: Haymon Verlag
    ISBN: 9783709979815
    Preis: 14,95 €
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  • Krimi

    Keine besonderen Auffälligkeiten von Sophie Sumburane

    Anfang Oktober1989 in Deetz, ein kleiner Ort in Brandenburg. Ein Dorf, in dem man sich kennt und vertraut. Doch dann wird eine Frau ermordet und das Misstrauen sieht ein. Jeder beginnt, jeden zu verdächtigen, aber natürlich konnte es auch jemand aus dem Westen gewesen sein. Man wusste ja, in der DDR gab es so etwas nicht. So etwas geschah nur dort drüben. Und besonders jetzt wo sich so viel tat, wo die alten Sicherheiten wegbrachen, man sogar davon sprach, dass die Mauer fallen würde, konnte es doch sein, dass ein Westmörder sein Unwesen trieb.
    Das ist die Ausgangssituation. Man geht von einer Einzeltat aus. Auch als ein weiterer Frauenmord geschieht, sieht man keinen Zusammenhang. Vieles ist dem Durcheinander des Umbruches geschuldet.
    In Deetz leben zwei junge Frauen, Hedi und Gabi, beide 19 Jahre alt. Hedi und ihr Verlobter, der sie beschützen will und sie total einengt, gehen in den Westen. Gabi hingegen, Hedis beste Freundin seit Kindertagen, will den Mord in ihrem Dorf, nicht auf sich beruhen lassen. Sie ist entsetzt, dass es keinen wirklich zu interessieren scheint. Sie nimmt eine Stellung als Volontärin bei der Bildzeitung an, um mehr zu erfahren und um über diese Morde zu schreiben. Stellt aber schnell fest, dass man dort kein Interesse hat. Zwei alte Frauen ermordet, nicht sexy und die Leute lesen auch viel lieber, Asylantenhetze. Erst als die Frau und das Baby des russischen Chefarztes einer Klinik, in der Honecker behandelt wurde, ermordet aufgefunden wird, zeigt die Presse Interesse. Doch Gabi stellt schnell fest, dass es den Journalisten nicht darum geht zu helfen den Mörder dingfest zu machen, sondern um Schlagzeilen. Hier wird der Zynismus der Sensations-Berichterstattung deutlich und der Alltagssexismus in der Redaktion.

    «Keine besonderen Auffälligkeiten» beruht auf dem Fall des Rosa Riesen, wie die Presse ihn nannte. Des letzten Serienmörders der DDR. Während ihrer Recherche wurde die Autorin von einem Kamerateam der Serie «Crime Time» der ARD begleitet. Hier der Link zur Doku.

    https://www.ardmediathek.de/serie/rosa-riese-jagd-auf-ein-phantom/staffel-1/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9zZGIvc3RJZC8xODQx/1

    Sophie Sumburane gelingt es Fakten und Fiktion, zu etwas Eigenem zu verweben. Vor allem gilt ihr Fokus nicht dem Täter, sondern den Opfern. Natürlich einmal den ermordeten Frauen, aber eben auch den peripheren, denen die verdächtigt wurden, den Hinterbliebenen und denen den durch die Angst, die umgeht, die Luft zum Atmen zu eng wird.
    Auch wenn auf dem Buch Kriminalroman steht und es um die Aufklärung von Verbrechen geht, so ist es doch auch ein Blick auf das Zeitgeschehen.

    Keine besondere Auffälligkeiten
    Autorin: Sophie Sumburane
    Verlag: Edition Nautilus
    ISBN: 9783960544784
    Preis: 20,00 €
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  • Norwegen

    Niemand da von Ingvar Ambjørnsen

    Ingvar Ambjørnsen ist nicht mehr da. Am 19. Juli 2025 ist er gestorben. Daher lesen sich die 12 Geschichten in diesem Buch, mit einer gewissen Wehmut. Es ist das letzte, an dem er aktiv gearbeitet hat. Die norwegische Ausgabe, die den Titel «Die Trauer in St. Peter Ording» hat, enthält fünf Geschichten weniger, als die deutsche. Eine norwegische Rezensentin hat geschrieben «eine Art Wunder – wie schwarze Perlen auf einer Schnur». Die deutschen Lesenden haben also fünf schwarze Perlen mehr auf der Erzählschnur. Die letzte Geschichte «Toter Hund» ist leider unvollendet. Ja, es ist schade, dass Ambjørnsen nun nicht mehr auflösen kann, wie die Geschichte weitergeht, die mit einem erschossenen Hund am Morgen beginnt und sich zu nach und nach zu einer Vier- bis Fünf- vielleicht auch Sechseck Geschichte entwickelt. Andererseits macht es auch Spaß zu spekulieren, wie der Autor es sich weitergedacht hat.
    Die Geschichten in diesem Band gleiten ineinander über, obwohl sie nicht zusammenhängen. Ambjørnsen Fans dürfen sich auf das Treffen mit einigen alten Bekannten freuen. Um es gleich zu sagen: Elling taucht nicht auf, aber Sune aus «Die Nacht träumt vom Tag» erscheint in der Geschichte «Rotes Totem». Otto Gedde, bekannt aus «Eine lange Nacht auf Erden» – dort heißt er Claes Otto Gedde – taucht in «Der Berg ruft» als blinder Pianist auf und wie man im Geleitwort von Gabriele Haefs, der Übersetzerin und Ehefrau des Autors, erfährt, war auch ein Roman über sein Leben als Blindenimitator geplant. Ewig schade, den nicht mehr lesen zu können. Die Schnur, die die Perlen zusammenhält, ist der Tod. Nicht der Tod als Bedrohung, weder Freund noch Feind, sondern einfach eine zu akzeptierende Präsenz im Leben.
    Ingvar Ambjørnsen war ein Meister darin, das Unsichtbare, die Untertöne sichtbar zu machen, ohne sie zu benennen. Dabei fehlte nie der Blick auf die komischen Seiten im Alltagsgeschehen. Eine Stimme, die fehlen wird.

    Niemand da
    Autor: Ingvar Ambjørnsen
    Übersetzerin: Gabriele Haefs
    Verlag: Edition Nautilus
    ISBN: 9783960544753
    Preis: 24,00 €
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  • Roman,  Uncategorized

    Die Namen von Florence Knapp

    Es ist 1987, Cora und Gordon haben ihr zweites Kind bekommen. Gordon, einerseits der beliebte Arzt, andererseits herrschsüchtig, gewalttätig und sadistisch seiner Frau gegenüber, will dass der Junge Gordon heißt, wie es Tradition in seiner Familie ist. Cora gefällt das nicht, sie ist für Julian, Maia die 9jährige Schwester plädiert für Bear, weil das Baby so kuschelig und weich aussieht. Das ist die Ausgangssituation. Ab hier verfolgt Florence Knapp, was geschähe, wenn Cora auf dem Amt nun den Namen Bear oder Julian oder Gordon eintrage ließe. Wie würden das Leben des Kindes, ganz zu schweigen das der gesamten Familie, verlaufen. Welchen Einfluss hätte der Name?

    In Abständen von jeweils sieben Jahren, erzählt die Autorin die Geschichte der Familie. Dabei ist jeweils ein Strang, einem Namen zugeordnet. Was bleibt ist die Grundsituation: Cora, die von ihrem Mann gedemütigt und gequält wird. Maia, die mit neun Jahren Vorsprung zu ihrem Bruder, schon einiges davon mitbekommen hat. Dieses Spiel mit dem Einfluss eines Namens auf das Leben, ist der Autorin sehr gelungen. Nicht umsonst wurde „Die Namen“ allseits, als bester Debütroman gelobt.

    „Die Namen“ ist eines von den Büchern, die einem noch lange beschäftigen. Denn außer den Namen, die die Personen tragen, spielt natürlich auch noch einiges andere eine entscheidene Rolle. Es ist ein „Was wäre wenn Spiel“ bei dem man automatisch an Situationen in der eigenen Lebensgeschichte zurückdenkt, in denen eine anscheinend kleine Entscheidung die Weichen neu stellte. Dabei liest es sich leicht und entwickelt sehr schnell eine Sogwirkung.

    Die Namen
    Autorin: Florence Knapp
    Übersetzerin: Lisa Kögeböhn
    Verlag: Eichborn
    ISBN: 9783847902294
    Preis: 24,00 €
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