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Das Glück der Bücher von Karin Joachim
Ein neues Buch von Karin Joachim. Diesmal ist es kein Krimi, sondern spielt in ihrer neuen Heimat, dem Münsterland.
Lilo, Mitte 50, ist begeisterte Buchhändlerin, die leider durch wirtschaftliche Umstände gezwungen wird, ihr Geschäft aufzugeben. Die Neuorientierung gestaltet sich schwierig, da der Arbeitsmarkt für über 50jährige nicht viel her gibt, Bürgergeld nur eine verübergehende Unterstützung sein kann, aber sicher nicht geeignet ist, die Zeit bis zur Rente zu überbrücken. Da entdeckt Lilo die Bücherschränke, die in jedem Ort seit einigen Jahren auftauchen und dort trifft sie diverse interessante Menschen . Ihre eher schwarzgefärbte Welt wird bunter. Allerdings ist nicht jeder neue Bekannte das, was er auf den ersten Blick scheint.
Karin Joachim hat sich eines aktuellen Themas angenommen, der kriselende Buchmarkt, die Verlagerung auf den Onlinehandel und die Gefahr des sozialen Abstiegs, durch Arbeitslosigkeit. Allerdings hätte ich dem Buch einen weniger behäbigen Erzählstil gewünscht.
Das Glück der Bücher
Autorin: Karin Joachim
Verlag: Gmeiner
ISBN 9783839208502
Preis: 15,00 € -
Sophie – Die Kaisermacherin von Michaela Baumgartner
Irgendwann war die Erzherzogin Sohpie, Gattin von Erzherzog Franz Karl und Mutter von Kaiser Franz Josef, mal ein Mädchen und eine Prinzessin in Bayern. Sie war ausgelassen, hatte ein liebevolles Elternhaus, ein lebenslanges gutes Verhältnis zu den Eltern und den meisten ihrer Geschwister. Aus Liebe Heirat sie Franz Karl nicht, sie macht sich auch keine Illusionen über seine geistigen Qualitäten, doch Sympathie ist da und so scheint es ihr kein allzu großes Opfer zu sein. Sie hingegen ist gebildet, politisch interessiert und nicht ohne Ehrgeiz. Da Kaiser Ferdinand, nicht die hellste Kirsche auf der Torte, denkbar ungeeignet ist, die Unruhen in Wien zu begegnen, wird er zurücktreten und eigentlich wäre nun Franz Karl sein Nachfolger und Sophie somit Kaiserin. Sie überredet ihren Gatten zu Gunsten Franz Josefs zurückzutreten und bleibt die graue Eminenz im Hintergrund. Das ändert sich, als dieser die 15 jährige Sisi, Sophies Nachte heiratet. Erst ist das Verhältnis ungetrübt, doch das ändert sich schnell. Sisi erweist sich nicht als so formbar, wie Sophie es sich erhofft hatte.
Michaela Baumgartner erzählt die Sophies Geschichte historisch korrekt, mit Brief- und Tagebuchfragmenten untermaut. Das Buch liest sich sehr flüssig, allerdings muss ich gestehen, dass ich es als Biografie vorgezogen hätte. Doch das ist natürlich Geschmackssache. Schön ist es, dass es mit Bild der herzlosen Schwiegermutter und dem süßlichen Sisi Klischee aufräumt.
Sophie - Die Kaisermacherin
Autorin: Michaela Baumgartner
Verlag: Gmeiner
ISBN: 9783839209059
Preis: 17,50 € -
Haralds Mama von Johanna Fried
Harald, bipolar, tablettenabhängig und liebenswert, er erinnert seine Freundin an einen golden Retriver, war auf Entzug. Nun soll er heimkehren. Doch zu wem? Zu seiner Freundin oder zu seiner Mutter? Die beiden Frauen treffen auf einem kleinen Flughafen im Norden Schwedens aufeinander. Einig sind sie sich nur darin, dass sie einander nicht leiden können und die jeweils andere schädlich für Harald halten. Schnee nun verhindert den Abflug von Haralds Flugzeug und die beiden Frauen, die ihn lieben, sich aber hassen, habe Zeit miteinander zu reden. Wobei reden, das will eigentlich nur Haralds Mama. Seine Freundin hat im Grunde so gar keinen Bedarf, ärgert sich aber mehr und mehr, dass sie jedes Mal, wenn sie den Monolog von Haralds Mama unterbricht, abgewürgt wird. In Gedanken geht sie zurück, geht den Weg noch einmal, der dazu geführt hat, dass sie nun auf diesem Flughafen sitzt und von Vorwürfen einerseits und Selbstneweihräucherung andererseits überschüttet wird.
Johanna Fried lässt zwei Frauengenerationen aufeinandertreffen, die es nicht schaffen füreinander Verständnis aufzubringen. Alles was sie trennt wird gnadenlos offengelegt und keine ist bereit das Feld zu räumen und über dem Feld schwebt Harald.
Haralds Mama
Autorin: Johanna Fried
Übersetzerin: Susanne Dahmann
Verlag: Eichborn
ISBN: 9783847902188
Preis: 23,00 € -
Katabasis von R. F. Kuang
Was macht man, wenn man seinen Professor durch ein nachlässig gezeichnetes Pentagramm explodieren lassen hat, ihn aber für den Abschluss in Analytischer Magie dringend braucht? Für Alice Law keine Frage: Man folgt ihm in die Hölle und bringt ihn zurück! Alice macht also einen Schnellkurs in Tartarismus, ist bereit den Preis, die Hälfte ihrer Lebenszeit, zu zahlen und macht sich mit Dante und Vergil gerüstet auf. Die waren schließlich schon dort und haben es zurück geschafft. Allerdings bekommt sie in letzter Minute einen Reisegefährten: Peter Murdoch, Überflieger, ebenfalls Doktorant bei Jakob Grimes und Alice Konkurrent um dessen Gunst.
Alice und Peter stellen schnell fest, dass sich ihr Wissen über die Hölle und ihre Regeln ergänzt, diese aber doch noch so einige Überraschungen in Petto hat. Prof. Grimes finden sie nicht so schnell wie gehofft, doch sie lernen sich besser kennen und erkennen, dass ihre Vorstellungen von einander weit von der Realität abweichen und wie sehr Grimes, ein ziemliches Ungeheuer, sie gegeneinander ausgespielt hat. Je besser sie sich kennenlernen, je mehr wird Alice Idol, eben jener Professor Jakob Grimes, von seinem Sockel gestürzt.
Alice wird bewusst, welchen Preis sie bezahlt hat, um in Cambridge, bei dieser Koryphäe, ihren Abschluss zu machen und bezweifelt mehr und mehr, dass es das wert war. Übermenschliche Arbeitsbelastung, Sexistische Übergriffe, Beleidigungen und ein Reglement, dass es unmöglich machen sich zu beschweren. Täte sie das, würde es Grimes eine leichte Abmahnung einbringen, sie aber ihre Karriere kosten.
Bereits in Babel hat sich R. F. Kuang einer Hochschule gewidmet und einen existieren Ort mit einem fantastischen Spiegelbild versehen. Damals war das Thema Rassismus und Englands Kolonialismus. Diesmal ist es persönlicher. Ihr fiktives Cambridge ist ein Ort, an dem Magie erforscht wird und der einiges von seinen Studendierenden an Unterordnung und Arbeitsaufwand verlangt. Es ist eine patriachal geprägte Ordnung und Alice, wie viele andere ihrer Generation, macht sich eher über die Feministinnen lustig und denkt, dass doch alles an Gleichstellung erreicht ist. Ein weiteres Trugbild, was ihr genommen wird.
Fazit: Ein Buch an dem alles stimmt! Eine spannende, originelle Geschichte und Protagonist:innen, die man abwechsel in den Arm nehmen und schütteln möchte. Das Buch ist wunderschön aufgemacht. Ich bin schon so gespannt, was R. F. Kuang als nächstes schreibt. Zum Glück sind ihrer Bücher derart, dass man sie ohne weiteres zwei oder auch dreimal lesen möchte und immer noch etwas neues entdeckt.
Katabasis
Autorin: R. F. Kuang
Übersetzt von Alexandra Jordan & Heide Franck
Verlag: Eichborn
ISBN: 9783847902164
Preis: 28,00 -
Noch fünf Tage von Andrea Fischer Schulthess
Noch fünf Tage, dann will Amanda sich das Leben nehmen. Sterben wollte sie schon immer, besser gesagt, sie wollte nie wirklich leben. Erträglich war es für sie nur durch Alkohol und Tabletten. Es gab auch ruhigere Zeiten, während ihr Sohn klein war, auch liebt sie ihren Mann, der immer zu auf Geschäftsreise ist und die Erinnerungen an ihren Großvater Alois, wie er in ihrer Kindheit war. Von dem unternehmungslustigen Mann von damals ist nicht viel übrig geblieben, mittlerweile ist er ein boshafter Alter geworden, den sie sich fernhält. Was er aber nicht bleibt, denn fünf Tage bevor sie aus dem Leben scheiden will, passiert so einiges. Die Freundin ihres Sohnes ist schwanger und Alois hat sich verletzt und muss erst einmal bei seiner Enkelin einziehen. Vieles kommt hoch, auch die ungeklärten Fragen, die sie seit ihrer Kindheit belasten. Wer war ihre Großmutter und warum hat sie sich umgebracht? Warum war Amandas eigene Mutter so distanziert und hat sie irgendwann von ihrem Großvater ferngehalten? Komischerweise haben die ganzen Probleme nicht den Effekt, dass sie nun erst recht sterben will, sondern genau das Gegenteil. Amanda will noch ein wenig bleiben, doch dann …
Familiendrama, Psychokrimi? Irgendwie beides. Die Geschichte hat mich sehr mitgenommen, besonders da die Protagonistin teils nur schwer auszuhalten ist. Aber das kann man ja literarisch nur als Qualität ansehen. Ein wenig störend fand ich die Rückblenden, die so unmotiviert daher kommen. Das hätte sich geschickter lösen lassen.
Fazit: Ein sehr akutelles, lesenswertes Buch
Noch fünf Tage
Autorin: Andrea Fischer Schulthess
Verlag: Pendragon
ISBN: 9783865329127
Preis: 22,00 €








