Roman

  • Krimi,  Pendragon Verlag,  Roman

    Das Nest von Sophie Morton-Thomas

    Fran betreibt eine Wohnwagensiedlung in der Nähe von Norwich. An deren Rand lebt sie mit ihrem Mann Dom und Sohn Bruno. Es ist ein idyllisches Fleckchen, während Dom in der Stadt arbeitet, verwaltet Fran die Siedlung und kümmert sich um ihren Sohn. Auf dem Platz leben auch Frans Schwester Ros, ihr Schwager Ellis und deren Tochter Sadie. Ellis hatte Alkoholprobleme und Ros und er sind arbeitslos. Es ist früh im Jahr, kaum einer der Wohnwagen ist besetzt. Frans größte Freude ist es, die Vögel des Marschlandes zu beobachten. Doch es stehen Veränderungen bevor. Bruno und Sadie bekommen eine neue Lehrerin und eine Gruppe Roma lassen sich in der Nähe der Wohnwagensiedlung nieder. Die Lehrerin sorgt für Gesprächsstoff in dem kleinen Ort, dann ist sie plötzlich verschwunden und wird wenig später ermordet aufgefunden. Alles unausgesprochene hängt wie eine Gewitterwolke über den Menschen und man spürt in jedem Satz, dass es sich jederzeit entladen kann.

    Sophie Morton-Thomas hat sich für zwei Erzählperspektiven entschieden, einmal lässt sie Fran zu Wort kommen und zum anderer Tad, einen älteren Roma. Tad sieht von außen auf die Spannungen zwischen Fran und den ihren. Und die gibt es nicht zu knapp. Da ist Sadie, Frans Nichte, die immer ein wenig zu erwachsen scheint und mit Bruno Geheimnisse teilt. Da ist Ros, die in einer Depression festhängt und Ellis, der mit seinen Dämonen kämpft. Frans Mann Dom, der sich anscheinend allem entzieht und Fran selbst, die sich mehr und mehr in die Vogelbeobachtungen flüchtet. All das Unausgesprochene, zu denen noch die Verdächtigungen kommen, wer die Lehrerin ermordet haben könnte, hängen wie eine dunkle Wolke über allen.

    Das Nest, ist in so fern ein Krimi, dass es einen Mord gibt, der geklärt werden soll. Doch es ist bei weitem kein Who dunnit?, denn es gibt nicht den Ermittler oder die Ermittlerin. Auch das Opfer findet kaum Erwähnung, es geht mehr darum, welche Auswirkung die Gewalttat auf die Menschen in der Umgebung hat.

    Das Nest lässt sich nur schwer in eine Schublade packen. Außer in diese: Ein sehr gutes, brilliant geschriebenes Buch!

    Das Nest
    Autorin: Sophie Morton-Thomas
    Übersetzerin: Lea Dunkel
    Verlag: Pendragon
    ISBN: 9783865329097
    Preis: 22,00 €
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  • Fantastisch,  Roman

    Ursula und das V-Team – Das Schicksal muss warten von C. K. McDonnell und Elaine Ofori

    Grundlage der Geschichte ist die Legende um die Heilige Ursula, die mit 11 Jungfrauen im 4. Jahrhundert auf Pilgerfahrt ging, und wieder zurück eine von den Hunnen belagerte Stadt fand. Seit dem nun taucht alle acht Jahre über Köln eine Geisterarmee der Hunnen auf und eine aktuelle Ursula und ein Team aus 11 weiteren Jungfrauen muss sich ihnen stellen. Verlieren sie die Schlachte, wird die Geisterarmee für eine Nacht Köln schleifen. Doch wer ist nun die aktuelle Ursula? Der scharlachrote Rat bringt alle acht Jahre zehn Mädchen, woher sie kommen weiß niemand so genau, zusammen. Sie trinken aus dem Kelch der Hebe und vergessen ihre Herkunft, im Austausch dafür erhalten sie gewisse magische Kräfte. Eine wird zur Ursula ernannt, die aktuelle, weil sie eine Muttermal in der Form eines U hat. Sie wird die Anführerin. Die nächsten acht Jahre werden die Mädchen in Kampfsport und in den Gebrauch ihrer magischen Kräfte geschult, bis die Nacht der Vergeltung da ist. Dann stellen sie sich dem Geisterheer. Normalerweise sollen sie danach erneut aus dem Kelch trinken, die Kräfte verlieren und sich an ihre Herkunft erinnern. Soweit der Plan. Doch was, wenn man zur Vergeltungsschlacht eine Jungfrau zu wenig zur Verfügung hat? Gut, die lässt sich finden und plötzlich erlebt Fremdenführer Adam mehr, als er sich jemals hat träumen lassen. Das erste Problem wäre also gelöst, doch was ist, wenn die Schlacht plötzlich abbricht und die Lehrerin, die am Rand des Feldes warten sollte, verschwunden ist? Vor allem was ist aus den zuvor verschwundenen Jungfrauen geworden? Ursula und ihr V-Team wollen sich nicht einfach außer Dienst stellen lassen und entdecken so einige Mogeleien des Scharlachroten Rates, eine Magierin, die ihr eigenes Süppchen kocht und das es mehr magische Vorgänge in der Stadt gibt, als gedacht. Dann ist da noch ein Nekromant vom Hofe Attilas, der sich nun mit Adam einen Körper teilt und auf Eiscreme steht. Was man ihm nicht verdenken kann.

    Ursula und das V-Team ist der Auftakt zu einer Serie und das Autorinnendebüt von Elaine Ofori, welches sie gemeinsam mit ihrem Ehemann C. K. McDonnell geschrieben hat. Und das V-Team lässt es von Anfang an richtig krachen. Wer nun meint, es hier mit einer typischen Schlacht gut gegen böse zu tun zu haben, wird enttäuscht. Das Team Ofori/McDonnell zeigt, dass man ein oft behandeltes Thema neu, spannend, lustig und interessant angehen kann. Ich jedenfalls freue mich bereits auf das nächste Buch der Serie.

    Ursula und das V-Team - Das Schicksal muss warten
    Autoren: C. K. McDonnell & Elaine Ofori
    Übersetzer: André Mumot
    Verlag: Eichborn
    ISBN: 9783847902102
    Preis: 18,00 €
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  • Biogragisch/Autobiografisch,  Roman

    Entscheidung auf Hiddensee von Christof Kessler

    Sommer 1913. Gottfried Benn arbeitet tagsüber in der Pathologie und abends stürzt er sich mit seiner Geliebten Else Lasker-Schüler ins Berliner Nachtleben. Zwischendrin dichtet er. Sein erster Gedichtband „Morgue“ ist bereits erschienen und hat ihm Anerkennung gebracht. Doch das Leben, dass er führt, inklusive der exzentrischen Else Lasker-Schüler fordert seinen Preis und so gönnt er sich eine Auszeit. Drei Wochen Hiddensee, in denen er entscheiden will, wie es weitergehen soll. Weiter mit ihm als Arzt, als Dichter und wie mit Else. Er schwankt zwischen Überdruss und Verlangen, denn die Dame ist nicht nur eine geniale Dichterin, sie ist auch anstrengend.
    Benn macht sich also auf nach Hiddensee. Der kleinen Ostseeinsel, auf der sich zu der Zeit die Prominenz tummelt. Oskar und Max Kruse, Gerhard Hauptmann, dessen Sohn Ivo und die Schauspielerin Edith Osterloh, in die er sich verliebt. Doch er schwankt, soll er zurück zu Else, die seine Gedichte versteht, sein Talent fördert oder soll es doch mit Edith sein, die bürgerlichere der beiden Frauen, die Benns Gedichte nicht mag und sehr klar macht, dass für sie ein bloßes Techtelmechtel nicht in Frage kommt. Eine schwere Entscheidung, die es zu treffen galt, vor allem, weil Benn eigentlich nie so richtig weiß, was er will. Das alles unter der Sommersonne Hiddensees und der launigen Gesellschaft in seiner Pension, über der sich bereits der erste Schatten des aufziehenden 1. Weltkrieges und eines verstärkten Antisemitismus zeigt.

    Der biografische Roman Christof Kessler, ist ein sehr besonderes Leseerlebnis. Die Charaktere sind anschaulich, die Sonne Hiddensees spürbar und Benns Zweifel, Melancholie und gleichzeitige Stärke im Ausdruck, spürbar. Die biografischen Einschübe sind mit leichter Hand in die Handlung eingeflochten und stören den Lesefluss nicht im Geringsten.


    Fazit: Unbedingte Leseempfehlung, am besten gleich noch mal die Gedichte von Benn und Lasker-Schüler herausholen und nebenbei lesen.

    Entscheidung auf Hiddensee
    Roman um Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler
    Autor: Christof Kessler
    Verlag: Rote Katze, Lübeck
    ISBN: 9783910563308
    Preis: 22,00 €
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  • Krimi,  Roman

    Blumenlust von Claudia Schmid

    Edelgard Buchmann ist wieder unterwegs. Sie tauchte ja bereits in so einigen der Kriminalromane von Claudia Schmid auf. Zuletzt in Blumenfieber, wo sie zur Bundesgartenschau 2023, im Mannheimer Luisenpark, den „Bücherhimmel“ managte und natürlich prompt in einen Mordfall gerät. Der Bücherhimmel wurde Andenkenshop bis er zum 50sten Bestehen des Luisenparks wieder Bücherhimmel wird und natürlich sollte sich auch diesmal Edelgard um das Geschäft kümmern. Und natürlich wird es auch kriminell. Wie ihr Mann Norbert zu seinem Leidwesen feststellt, stolpert seine Holde nun mal dauernd über Leichen.

    Diesmal sind es Jogger, durchtrainierte junge Männer, die erschlagen aufgefunden werden. Vom Täter keine Spur. Da eines der Opfer mit Edelgard kurz vor seinem Tod gesprochen hat, kommt eine ungeliebte alte Bekannte vorbei, Melanie Härter, die Ermittlerin, die Edelgard vor zwei Jahren der Entführung verdächtigte. Edelgard wird neugieriger und neugieriger. Dann ist da noch ein attraktiver Herr, der sie zum Essen einlädt. Eine Journalistin, die den Auftrag, über das Jubiläum zu berichten, mit einem Klassentreffen verbindet, Florian, der sich für die Reinkarnation König Ludwigs II hält, die Kräuterhexe Chloe und die Influenzerin Fay Zoe, ganz zu schweigen von den Bekannten Edelagrds aus dem Vorgängerbuch. Wo mit wir bei der Schwäche des Buches wären. Es ist von allem ein wenig zu viel und so wird mancher Faden nur lose verknüpft. Doch das ist nur ein Punkt, der vielleicht auch nur so pingelige Lesende wie mich stört. Ansonsten nämlich, liest es sich sehr fein, enthält viele Wissenswertes und Anekdotenreiches über den Park, die Stadt und die Region. Jedenfalls bin ich schon gespannt, wo wir Edelgard das nächste Mal treffen.

    Blumenlust
    Autorin: Claudia Schmid
    Verlag: Gmeiner
    ISBN: 9783839203309
    Preis: 18,00 €
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  • Roman

    Das fünfte Kind von Doris Lessing

    Es beginnt Mitte der 60er Jahre in London. Partystimmung, buntes Leben, sexuelle Freizügigkeit und mittendrin begegnen sich David und Harriet, die mit all dem nichts anfangen können. Sie wünschen sich ein richtiges Familienleben, ein großes Haus und so viele Kinder, wie die Natur ihnen schenken möchte. Das stößt nicht nur auf Begeisterung in ihren Familien, denn die Eltern der beiden sind finanziell und arbeitstechnisch gefordert. Die andere Seite ist, dass alle Kritiker und Kritikerinnen sich gerne zu den Festtagen sehen lassen und auch die Ferien gerne dort verbringen, wo man das perfekte Familienleben zelebrieren kann.
    Nach vier Kindern und den entsprechenden anstrengenden Schwangerschaften ist Harriet erschöpft und will nun wirklich erst einmal eine Pause, daher bricht nicht die übliche Begeisterung aus, als sie feststellt, dass sie wieder schwanger ist. Diesmal ist es richtig schlimm, denn das Kind in ihrem Bauch scheint gegen sie zu kämpfen, als es endlich zur Welt kommt, ist es zu groß, es hat nichts liebenswertes, gleicht eher, da sind sich alle einig, einem Troll und es ist schwer zu bändigen von Anfang an. Harriet ist der Meinung, dass sich Gene aus grauer Vorzeit in Ben hervorgemendelt haben und das man ein Kind wie dieses, in dieser Zeit ausgestoßen hatte. David meint, sie übertreibt, Ärzte und Erzieher tun es mit hyperaktiv ab. Doch Harriet, die Kinder und auch David haben Angst vor Ben. Je älter und gewalttätiger er wird, um so mehr driftet die Familie auseinander und der Traum von der Großfamilie zerbricht.
    Ich habe das Buch bereits vor einigen Jahren gelesen und war sehr froh, dass der Wagenbach Verlag es neu aufgelegt hat. Auch beim neuen Lesen hat es mich wieder gepackt, in seiner Vielschichtigkeit.

    Das fünfte Kind
    'WAT Wagenbachs andere Taschenbücher'.
    kartoniert , 187 Seiten
    ISBN 3803128773
    EAN 9783803128775
    Veröffentlicht März 2025
    Verlag/Hersteller Wagenbach Klaus GmbH
    Übersetzt von Eva Schönfeld

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  • Roman

    Nichts wächst im Mondschein von Torborg Nedreaas

    Ein Mann geht spät am Abend spazieren, sucht Gesellschaft, sucht Nähe und findet eine Frau, die mit einem roten Koffer am Bahnhof steht. Sie geht mit ihm und stellt ihn vor die Wahl: Für die Nacht kann er ihren Körper haben oder ihre Seele. Er entscheidet sich für Letzteres und sie beginnt ihm ihre Geschichte zu erzählen.
    Aufgewachsen ist sie im Norden als Tochter eines Bergmanns, die Familie ist arm und doch will der Vater die Frau auf die Realschule schicken. Sie ist 18 als sie sich in Johannes, ihren Lehrer verliebt. Johannes geht gerne mit ihr in die Wälder, fährt auch mit ihr für einige Tage weg, doch er kann und will sie nicht heiraten. Johannes braucht eine reiche Frau, kein Armeleutekind. Die Frau entwickelt eine regelrechte Besessenheit, zieht in die Stadt, um ihm nahezusein, aber nicht nur deswegen, auch weil sie den Anblick ihrer abgearbeiten Mutter, das Leid ihrer unverheiratet schwangeren Schwester und das größte Vergnügen der Bergmannssiedlung, boshaften Klatsch, nicht mehr erträgt.
    Das Verhältnis mit Johannes bleibt ambivalent und hat auch Folgen, die seinerseits mit einem Geldschein und ihrerseits mit einem Gang zu einem Arzt, der Mitleid hat, aus der Welt geschafft werden. Bis Johannes schließlich die Apothekertochter heiratet.
    Die Frau hat im Ort, wo sie äußerst misstrauisch beäugt wird, nur einen Freund. Den Organisten der Kirche. Einen gescheiterten Pianisten, der schließlich Selbstmord begeht.
    Der Roman ist 1947 erschienen und erzählt schonungslos vom Leben der Armen, besonders dem der Frauen, von der Bigotterie der besseren Gesellschaft und was soziale Ausgrenzung bedeutet. Torborg Neddreaas erzählt schonungslos von Abtreibungen unter unsäglichen Bedingungen, von Ausbeutung, Alkoholismus und von der Angst endgültig unterzugehen. Ihre Erzählerin schwankt zwischen Lakonie und Verzweiflung, ihr Zuhörer bleibt meistens stumm, doch schwer erschüttert.

    Fazit: Ein forderndes, grandioses Buch.

    Nichts wächst im Mondschein
    Autorin: Torborg Nedreaas
    Übersetzerin aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs
    Verlag: Luchterhand
    ISBN: 9783630878034
    Preis: 22,00 €
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  • Roman

    Geht so von Beatriz Serrano

    Als erstes wirft Marisa morgens eine Tavor ein, um ihren Job in der Werbeagentur zu ertragen. Sie ist Key Managerin in der Creativ-Abteilung und hat einen Titel, der wichtiger klingt, als es die Stellung verdient. Marisa weiß um die Sinnlosigkeit ihrer Arbeit und sie hat ein System entwickelt, durch den Alltag zu kommen, um was erledigt werden muss, mit so wenig Aufwand wie möglich zu erledigen. Die Zeit zwischen Meetings und Büroblabla, verbringt sie damit, Youtubes Videos zu gucken.
    So wie Marisa geht es vielen, sie hängt in einem Job fest, der bestenfalls als Beschäftigung, aber bestimmt nicht als erfüllende Arbeit, empfunden werden kann. Sie hat ihre Workarounds gefunden und sich eingerichtet.
    Doch dann kommt der Tag, an dem ihre Kollegin Rita sie fragt, wie es ihr geht und sie nicht wie sonst mit dem obligatorischen „Gut“ antwortet, sondern mit „Geht so“. Rita ist eine von denen, die nie länger bleibt, nie Sachen übernimmt, die nicht in ihren Bereich gehören und sich über alle lustig macht und eines Tages tot ist, man weiß nicht, ob sie einen Unfall hatte oder ob sie sich das Leben genommen hat. Mit diesem „Geht so“ bricht eine Mauer, Marisa wird sich der Sinnleere ihres Lebens immer bewusster und hält nur noch irgendwie durch. Doch wie es so ist, gibt es Schlimmeres, als irgendwie einen hirntötenden Job überstehen. Dieses Schlimmere heißt „Teambildungsmaßnahme“, klar dass sich diese nur mit Drogen überstehen lässt.
    Beatriz Serrano hat da ein Buch geschrieben, dass voll den Zeitgeist trifft. Es hat auch alles, was so ein Buch haben sollte. Doch es gelingt der Autorin nicht immer ein Gleichgewicht zu halten. Meine Empfindungskurve bewegte sich schon sehr zwischen „sehr gut“ und „geht so“.

    GEHT SO
    Autorin: Beatriz Serrano
    Übersetzerin aus dem Spanischen: Christiane Quandt
    Verlag: Eichborn
    ISBN: 9783847902126
    Preis: 22,00 €
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  • Roman

    Forschungen einer Katze von Katja Kettu

    Das Amt für Forschung und Unterstüzung der Lichten Lebensformen beordert ein Geistwesen in Gestalt einer Katze ins Jahr 2020 nach Eira, doch die Katze landet im Jahr 1917 hoch im Norden Finnlands, nahe der sowejetischen Grenze, und kann dort das Leben von Eeva, der Urgroßmutter der Schriftstellerin, zu deren Unterstützung und Erforschung sie eigentlich geschickt wurde, beobachten. Dann hat die Schriftstellerin im Jahr 2020 eine Fehlgeburt und plötzlich ist die Katze dorrt. Sie sieht die Verzweifelung ihrer Schutzbeauftragten und da sie, wie wir hier bereits bemerkt haben, in der Zeit hin und her springen kann, erlebt sie was zur Schwangerschaft, zur Trennung vom Erzeuger des Kindes und zu der tiefen Depression geführt hat, die der Schriftstellerin die Sprache und die Worte raubt. Schließlich befinden sich Katze und Schriftstellerin dort wo alles begann, auf der Insel nahe der russischen Grenze, wo Urgroßvater Mahte und Urgroßmutter Eeva gelebt und geliebt haben. Wo sie Krieg und Bürgerkrieg und wieder Krieg erlebten, wo ihr Haus abbrannte und wieder aufgebaut wurde. Wo Mahte mit den Kranichen tanzte und Eewa ihre Kräuter sammelte und Zauber sprach. Zurück an den Wurzeln kann die Heilung beginnen und die Katze weiß was die Schriftstellerin braucht, um die Worte wieder zu finden.

    Was für eine Geschichte. Ich habe gelacht, geweint, die Magie gespürt und bin hingerissen. Es ist eindeutig eines der Bücher, die man am Liebsten sofort nach dem Auslesen, wieder von Vorne beginnen würde. Die Stuktur der verschiedenen Stimmen ist es, die dem Stoff noch mehr Tiefe und Authentizität geben. Einmal erzählt die Katze, dann die Schriftstellerin, Eeva äußert sich in Form von Tagebucheinträgen und dann sind da noch die Verhörprotokolle aus Mahtes Gefangenschaft. Es ist die Geschichte der Familie der Schriftstellerin, aber auch die Geschichte Finnlands auf seinem Weg zum eigenen Staat. Und es ist eine Geschichte über die strukturelle und tatsächliche Gewalt gegen Frauen.

    Forschungen einer Katze
    Autorin: Katja Kettu
    Übersetzerin aus dem Finnischen: Tanja Küddelsmann
    Verlag: Weissbooks
    ISBN: 9783863372224
    Preis: 28,00 €
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  • Norwegen,  Roman

    Frühlingsnacht von Tarjei Vesaas

    Ein Haus auf dem Land. Die Eltern sind über Nacht aus dem Haus. Der14 jährige Hallstein und seine ältere Schwester Sissel genießen die Abwesenheit der Erziehungsberechtigten und die Wärme des Tages. Als sie sich zum Abendessen setzen, klopft es und vor der Tür stehen ein Mädchen in Hallsteins Alter, ein älterer und ein jüngerer Mann. Letzterer hat eine hochschwangere Frau in den Wehen auf dem Arm. Die Familie hatte eine Autopanne und muss nun erst einmal bleiben und natürlich muss auch noch die Frau, Kristine, die noch im Auto sitzt, weil sie nicht laufen kann, geholt werden. Schnell zeigt sich, dass die Autopanne das geringste Problem der Familie ist. Die Konflikte entladen sich und Hallstein und Sissel befinden sich mittendrin.

    In dieser Nacht geschieht alles auf einmal. Geburt, Tod, erste Liebe, Verrat und Enttäuschung, es ist alles dabei. Tarjei Vesaas beherrscht es meisterhaft Spannung aufzubauen, ohne eigentlich zu benennen was vorgeht. Im Unausgesprochenem entfaltet sich ein Drama. Was hat sich zwischen Kristina und ihrem Mann zugetragen? Warum spricht sich nicht? Was hat Karl im Krieg erlebt? Was hat ihn verändert? Und täuscht Hallstein sich darin, dass Gudrun ihn mag? Eine turbulente Frühlingsnacht in einfachen Worten erzählt. Tarjei Vesaas hat auf Nynorsk beschrieben, der Umgangssprache, während zu seiner Zeit die meisten Autor:innen Bokmal, die Buchsprache wählten. Doch gerade die Schlichtheit der Worte verleihen dem Text eine ganz besonders Dichte.

    Fazit: Wundervoll

    Frühlingsnacht
    Autor: Tarjei Vesaas
    Übersetzer aus dem Norwegischen: Hinrich Schmidt-Henkel
    Nachwort: Hanne Orstavik
    Verlag: Guggolz
    ISBN: 9783945370490
    Preis: 25,00 €
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  • Roman

    Dienstmädchen für ein Jahr von Sigrid Boo

    Es sind die 30er Jahre. Helga, Tochter aus gutem Hause und gerade 19, ist ein wenig verärgert, weil ihr Vater ihr keine Paris Reise finanzieren will. Nicht genug damit, als die Herren aus ihrer Clique, besonders ihr derzeitiger Favorit Jörgen Krogh, behaupten, dass so verwöhnte junge Damen, nicht in der Lage sind, irgendeine vernünftige Arbeit zu verrichten, lässt sie sich auf eine Wette ein. Ein Jahr lang wird sie sich als Dienstmädchen verdingen. Schafft sie es, lockt ein Diamantring. Die Regeln werden festgelegt und schon geht es los. Eine dieser Vorgaben gibt denn auch das Format dieses Buches vor. Es ist ein Briefroman. Einmal im Monat berichtet Helga ihrer Freundin Greta über ihr Leben. Eine weitere Regel ist: Sie darf niemanden erzählen, wer sie wirklich ist.

    Helgas erste Stelle ist in der Stadt, bei einer Familie, die sich eigentlich kein Dienstmädchen leisten kann, sich aber gerne den Anschein von Luxus geben möchte. Dort bleibt sie nicht lange. Danach kommt sie auf Gut Vinger, außerhalb der Stadt, unter. Dort findet sie Freunde und natürlich gibt es dort auch einen Mann, der ihr Interesse erregt.

    Sigrid Boo lässt ihre Protagonistin leicht und charmant über ihr Leben, auf der anderen Seite der Gesellschaft, erzählen. Es ist ein Vergnügen Helgas Berichten zu folgen. Was mir allerdings eindeutig fehlt, ist die dunkle Seite einer solchen Stelle. Es wird schon angedeutet, dass dem Personal mehr oder weniger immer mit Misstrauen begegnet wird. Sei es, dass natürlich der Verdacht auf das Dienstmädchen fällt, wenn etwas abhandenkommt oder die generelle Annahme, dass die Angestellten sich einen Vorteil erschleichen wollen. Das diese Themen nicht vertieft werden, liegt natürlich daran, dass Helga aus der Perspektive einer Frau erzählt, die jederzeit sagen kann, es reicht! Ich gehe zurück in mein eigentliches Leben. Was hat sie schon zu verlieren? Außer einer Wette? Nichts! Während ein Mädchen, dass auf eine solche Stelle angewiesen war, sich sehr viel mehr vorsehen musste.

    Dienstmädchen für ein Jahr
    Autorin: Sigrid Boo
    Übersetzerin: Gabriele Haefs
    Verlag: Rowohlt Kindler
    ISBN 9783463000732
    Preis: 24,00

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